Archiv für Juni 2010

NPD bei KZ- Gedenkstätteneröffnung

Im Vorfeld der heutigen Einweihung der KZ-Gedenkstätte in Hailfingen/Tailfingen wurde der Fehler begangen, Janus Nowak, den stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden, über den E-Mail Verteiler des Kreistages Böblingen einzuladen. Diese Einladung warf die Frage auf, ob es NPD Mitgliedern generell erlaubt sein sollte, an Veranstaltungen wie der heutigen teilzunehmen.
Gäufeldens Bürgermeister Johannes Buchter sagte, er sehe keinen Grund ihn [J. Nowak] wieder auszuladen. Buchter zufolge gäbe es „viele kleine Nowaks“ hier in der Umgebung, mit denen eine öffentliche Auseinandersetzung wünschenswert sei. Seiner Meinung nach ist die Zeit des Ausweichens und Nichteinladens vorbei.

Es ist nicht der richtige Weg, Neo-Nazis durch eine öffentliche Auseinandersetzung eine Basis zu bieten. Bei einer Veranstaltung, bei der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zugegen sind, ist es eine Absurdität schlechthin Menschen einzuladen, die im Internet Aussagen veröffentlichen, die fast einer Holocaustleugnung gleich kommen: so spricht Nowak z.B von 600 „jüdischen Kriegsgefangenen“, von denen „in den Kriegswirren der letzten Kriegsmonate 200 gestorben sind“. Außerdem ist das Wort KZ auf Nowak´s Internetseite stets in Anführungszeichen gesetzt.
Aussagen wie diese führten in den Medien zu großer Empörung. Wir nehmen an, dass erst der hohe Druck durch die Öffentlichkeit das Ausschlaggebende für Buchters plötzlichen Sinneswandel und die darauf folgende Ausladung Nowaks war.
Auch Birgit Kipfer, die Regionalvorsitzende des Vereins „Gegen Vergessen“, will das Gremienmitglied „nicht unbedingt ausschließen“. Ihre einzigen Bedenken gelten den anreisenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die die Anwesenheit des „Neonazis“ Nowak als Beleidigung empfinden könnten. Sie lässt dabei die Frage außer Acht, ob solch einer politischen Einstellung, wie sie Nowak vertritt, überhaupt eine Plattform geboten werden soll, vor allem bei einer Veranstaltung wie der heutigen.

Sowohl auf Nowaks Internetseite, wie auch im öffentlichen Antwortbrief auf die Ausladung spricht Nowak von der „Holocaust-Industrie“, welche die Medien manipuliere und unter Druck setze und von der sich Buchter bereits vereinnahmen ließe.
Hierbei beruft sich Nowak auf ein im Jahre 2000 erschienenes Buch von Norman Finkelstein. Dieses besagt unter anderem, dass „die Juden“ 1967 (nach dem Sechstagekrieg) bemerkt hätten, dass sich aus dem Holocaust Profit schlagen ließe. Seitdem würden sie sich am Holocaustgedenken bereichern, um damit immer weitere Unterstützung für Israel im Nahostkonflikt zu erpressen.
Dies stufen wir als antisemitisch und damit als nicht tolerierbar ein, da hier zum einen eine rassistische Kollektivzuschreibung und zum anderen eine Schuldzuweisung „den Juden“ gegenüber stattfindet.

Zur Daueraustellung im Tailfinger Rathaus, die sich mit den Nazi-Verbrechen im Dritten Reich befasst, schrieb Nowak: „Eine solche – von Steuergeldern finanzierte – Ausstellung dient […] nur der Ablenkung der Schüler vom Wesentlichen“. Seiner Meinung nach wird durch solche Ausstellungen die Zukunft der Kinder und Jugendlichen vernachlässigt.
Wir finden, dass es notwendig ist, sich mit der Vergangenheit Deutschlands kritisch auseinander zu setzen, um gegen Geschichtsrevisionismus, wie ihn Nowak betreibt, vorzugehen.

Nowak kündigte an: „[ich] werde […] Ihrer Ausladung nicht Folge leisten und werde mich auch vor den Augen der damaligen Lagerinsassen und ihrer Angehörigen von der anwesenden politischen Polizei ggf. niederknüppeln und abführen lassen, so wie es einst die Gestapo mit den Juden getan hat!“

Es ist in jedem Fall zu verhindern, dass Menschen wie Janus Nowak und dessen Gefolge an Veranstaltungen wie dieser teilnehmen. Wir rufen also dazu auf, sich allen Geschichtsrevisionisten, Antisemiten und Rassisten hier und auch überall sonst entgegenzustellen.