Archiv für November 2010

Sarrazin-Lesung am 30.11.2010 in Sindelfingen

Sarrazin-Lesung am 30.11.2010 in Sindelfingen

ZUGTREFFPUNKT aus Tübingen: 16:30
Abfahrt: 16:48
Ankunft: 17:37

„Am Dienstag den 30. November sollen in der Buchhandlung „Röhm Buch und Büro“ am Marktplatz in Sindelfingen zwei Buchlesungen mit dem Rassisten Thilo Sarrazin stattfinden; eine um 16:30 Uhr und eine Weitere um 20 Uhr. Dort wird er aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ lesen, in welchem er in rassistischer Manier gegen MigrantInnen, Menschen anderen Glaubens und sozial Benachteiligte hetzt.

In diesem Buch behauptet er z.B., MigrantInnen aus arabischen Ländern hätten einen niedrigeren IQ als „Deutsche“ und seien in Deutschland -wenn überhaupt- nur für den Obst- und Gemüsehandel zu gebrauchen.

Auch gegenüber Jüdinnen und Juden äußert er sich rassistisch indem er behauptet es gäbe ein sogenanntes „Judengen“, welches anderen „Rassen“ überlegen sei. Damit definiert er Menschen jüdischen Glaubens als eigene „Rasse“ und greift somit die Basis der antisemitischen Naziideologie auf.

Sarrazins Hetze ist nicht für sich allein zu betrachten, sondern ist mehr ein Teil des offensichtlichen Rechtsrucks innerhalb der Gesellschaft.

Wie in der Schweiz, Belgien, Frankreich, Ungarn usw. gewinnen auch in Deutschland faschistische und rechtspopulistische Kräfte immer mehr an Zuspruch, was an den steigenden Wahlergebnissen der NPD oder eben in der Zunehmenden Akzeptanz gegenüber rassistischen Äußerungen, wie die des SPD-Mitglieds und Ex-Bundesbank Chefs, Thilo Sarrazin, deutlich wird. Auch die Politik von eigentlich eher konservativen Parteien wie z.B. der CDU wird zusehends rassistischer, während viele Teile der Medienlandschaft derartige Tendenzen wohlwollend aufgreifen und unters Volk bringen.

Das geschieht nicht zufällig; gerade in Zeiten der Krise werden sich viele Menschen ihrer immer schlechter werdenden Lebenssituation bewusst und für die Herrschenden wird es wichtig, die Keimzellen eines aufkommenden antikapitalistischen Bewusstseins innerhalb der Lohnabhängigen Klasse zu eliminieren und offene Klassenkonflikte zu verhindern.

So werden rassistische Vorurteile, die teilweise schon in manchen Gruppen der Gesellschaft vorhanden sind, gezielt aufgegriffen und verstärkt; MigrantInnen werden als angeblicher Auslöser fast sämtlicher Probleme in der Gesellschaft zu Sündenböcken gemacht.

Auch NPD-Wortneuschöpfungen wie „Überfremdung“ sind in öffentlichen „Integrationsdebatten“ mittlerweile gang und gebe.

Selbst wenn Rechtspopulisten wie Thilo Sarrazin oder Gruppen wie „Political Incorrectness“, die ebenfalls massiv gegen Menschen islamischen Glaubens hetzen, keine Faschisten sind, sorgen sie doch für ein rassistisches Klima, und bieten Nazis Bezugs- und Anknüpfungspunkte für ihre eigene Propaganda und dienen oftmals als Rechtfertigung für rassistischer Übergriffe.

Es ist die Pflicht aller AntifaschistInnen, diese rassistischen Tendenzen und die dahinter liegenden Interessenlagen aufzudecken und konsequent dagegen vorzugehen.

Gerade in der Region in und um Sindelfingen/Böblingen mit dem Nazi Janus Nowak als NPD-Kreistagsabgeordneten darf rassistischen und chauvinistischen Hetzern keinerlei Plattform geboten werden!

Deshalb rufen wir Alle dazu auf, sich an den Protesten gegen die Lesung Sarrazins am 30. November in Sindelfingen zu beteiligen und diese zu verhindern!

Das „Aktionsbündnis Internationale Solidarität Sindelfingen/Böblingen/Stuttgart“, welches sich gegen die Sarrazin-Lesung gegründet hat, veranstaltet ab 15:30 Uhr auf dem Marktplatz in Sindelfingen eine Kundgebung und anschließend, um 18 Uhr, eine Demonstration durch die Sindelfinger Innenstadt.

Danach wird genügend Spielraum sein, den Rassisten zu zeigen, dass sie nicht erwünscht sind –nirgendwo!“

QUELLE: linksunten.indymedia.org


ZUGTREFFPUNKT aus Tübingen: 16:30
Abfahrt: 16:48
Ankunft: 17:37

Rede bei der Antifa-Gedenkkundgebung am 21.11. in Rt

Rede bei der Antifa-Gedenkkundgebung am 21.11. in Rt

Die Antifa Reutlingen-Tübingen (ART) beteiligte sich am 21. November 2010 an der antifaschistischen Gedenkkundgebung für die Opfer des Faschismus mit einem Redebeitrag. Im Folgenden eine Dokumentation der gehaltenen Rede:

*** Es gibt kein richtiges Gedenken im falschen ***
Heute am Totensonntag haben wir uns hier versammelt, um den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken.
Es ist uns wichtig aus rückblickender Perspektive Ursache und Wirkung, Täter und Opfer oder die unterschiedliche Qualität von Gewalt genau zu benennen und zu differenzieren.
Zu oft werden diese Tatsachen an den Gräbern verwischt. Die Bundesregierung oder der einflußreiche Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge werfen oft alles zusammen in einen Topf. Da ist dann allgemein von den „Opfern von Krieg und Gewalt“ die Rede. Wer so redet, für den gibt es keinen Unterschied zwischen einem im Kampf gestorbenen SS-Soldaten und dem ermordeten achtjährigen, jüdischen Jungen.
Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl machte das noch einmal deutlich, als er am 5. Mai 1985 auf dem Soldatenfriedhof Bitburg vor den Gräbern von Wehrmachtssoldaten und SS-Soldaten den Opfern des Zweiten Weltkrieges gedachte.

Auch unter Linken ist oft die Rede davon, dass Nazi-Deutschland den Krieg ja angefangen hat und sich deshalb niemand beschweren dürfe, dass er auch zurückgekommen ist. Grundsätzlich ist das richtig, aber die Art des Angriffkrieges der Deutschen war nicht dieselbe wie die des Verteidigungskrieges der Alliierten.
Im Osten und im Südosten führte Deutschland einen Rasse- und Vernichtungskrieg. Deutschland führte nicht Krieg gegen einen militärischen Gegner, sondern eine Krieg gegen die Zivilbevölkerung mit dem Ziel der Ausrottung ganzer Bevölkerungsgruppen, wie der Juden, der Sinti und Roma oder großer Teile der slawischen Bevölkerung.

*** NS-Opfer in der Region ***
Doch wir müssen gar nicht so weit in den Osten schauen. Die Opfer des Nationalsozialismus finden sich auch direkt vor der Haustür und die Täter ebenso.
Nicht weit entfernt von Reutlingen, in Grafeneck auf der Schwäbischen Alb existierte ab 1940 eine gut funktionierende Mordfabrik. Vom 20. Januar 1940 bis zum Dezember 1940 wurden im Schloss Grafeneck bei Reutlingen über 10.000 behinderte Menschen, unter der Begründung es handle sich um „lebensunwertes“ Leben, ermordet.
Einige der Opfer kamen auch aus der Region. So wurden aus der Landesfürsorgeanstalt Rappertshofen bei Reutlingen 72 Menschen nach Grafeneck deportiert und dort umgebracht. Mindestens 24 Bewohner des Reutlinger Gustav-Werner-Heim wurden im Zuge von „Euthanasiemaßnahmen“ ermordet. Andere wurden zwar nicht ermordet, aber medizinisch verstümmelt, dass heißt zwangssterilisiert.

Seit 1933 gab es in Deutschland ein sich immer mehr ausbreitendes Lagersystem. Immer engmaschiger wurde dieses Netz und nach 1939 wurde es schnell auch auf die eroberten und unterworfenen Gebiete ausgedehnt. Experten gehen von etwa 20.000 Lagern aus. Lager für politische Gegner und Gegnerinnen, für verfolgte und unliebsame Minderheiten, Lager für Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Lager für Militärgefangene, in denen Sowjetsoldaten millionenfach verhungerten. Und Lager der direkten Vernichtung. Indirekt waren alle Lager Vernichtungslager, aber in einigen wurden die Neu-Ankömmlinge direkt durch Gas, Aufhängen und
Erschießen ermordet. In den anderen Lagern wurden sie langsam durch Hunger, Erschöpfung und Verzweiflung ermordet.
Auch in der hiesigen Region gab es einige Lager bzw. Verbindungen zu solchen. Im September 1983 wurde bekannt, daß die SS im Jahre 1944 128 KZ-Opfer aus den Lagern Hailfingen/Tailfingen,Bisingen, Dautmergen und Schömberg im Krematorium von Reutlingen verbrennen ließ.
Insgesamt sollen mindestens 4.000 Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Reutlingen zur Arbeit gezwungen worden sein, viele davon im Arbeitslager Adrula.

*** Nach 1945 ***
Die Verbrechen geschahen also nicht nur im fernen Osten, sondern direkt vor der Haustür. Nach der Niederlage 1945 wollten das viele Deutsche nicht zugeben und erst Recht nicht ihren eigenen Anteil daran.
Der US-Army-Offizier Bourke White beschreibt seine Eindrücke vom Einmarsch in Deutschland im April 1945 so:
„Wir haben nichts gewusst! Wir haben nichts gewusst! Diese Worte hörte ich an einem sonnigen Nachmittag im April 1945 zum ersten mal. Sie sollten sich in den folgenden Wochen noch so oft wiederholen. Wir alle bekamen sie so häufig und monoton zu hören, dass sie uns wie eine deutsche National-Hymne vorkamen.“
Die Täter lösten sich plötzlich in Luft auf. Im Bericht des beratenden Ausschusses von Kriegsverbrechern an den amerikanischen Hochkommissar in Deutschland heißt es:
„… jetzt, fünf Jahre nach dem Ende von Hitlers und nach dem Ende des Krieges, rufen alle diese Angeklagten im Chor: »Befehl von oben!«. Sie behaupten, daß es in der ganzen Nation von 60 Millionen Menschen nur einen Mann gab, oder eine sehr kleine Gruppe von Männern, die für alles, das, was vor sich ging, verantwortlich gewesen wäre, daß sonst niemand für irgend etwas verantwortlich gewesen wäre, und daß, wenn nur ein Befehl vorlag, der wie ein Bächlein vom Gipfel herunterrieselte, ein jeder, der davon benetzt wurde, in den Genuß eines Immunitätsbades gekommen wäre.“

An dieser Einstellung hat sich vielerorts nicht viel geändert. Auch heute noch heißt es: „Der Hitler wars!“. Eigene Schuldanteile bzw. die von Familienangehörigen werden geleugnet, kleingeredet und umgelogen. „Opa war kein Nazi!“, wissen viele Enkel angeblich ganz genau.
Wenn es keine Nazis je gegeben hat, dann ist natürlich verwunderlich wer überhaupt in der Wehrmacht den Krieg geführt hat, wer auf den Wachtürmen der KZs saß oder wer die NSDAP an die Macht gewählt hat. Bereits am Ende der Weimarer Republik ging die Zahl der NSDAP-Anhänger und -Sympathisanten in die Millionen. Auch in dieser Region gab es viele davon. Am 29. Juli 1932 Reichstagswahl gab es eine große NSDAP-Kundgebung mit Hitler in Reutlingen. Es war der einzige Wahlkampf-Auftritt Hitlers in Württemberg vor der Wahl 1932. An dieser NSDAP-Kundgebung nahmen 15.000 Personen teil.

In dem Wissen, dass eine breite Bevölkerungsmehrheit aus allen Schichten den Nationalsozialismus unterstützte und akzeptierte, beziehen wir uns ausdrücklich auf eine Minderheit. Die Minderheit aktiver Widerstandskämpfer und Nazi-Verfolgten. Diese Frauen und Männer die nicht dem Opportunismus unterlagen, nicht dem Rassenwahn oder dem Herrenmenschentum folgten, sondern ihn bekämpften und unter ihm litten, sind unsere Vorbilder. Wir gedenken den Ermordeten dieser Minderheit innerhalb Deutschlands und den vielen anderen jenseits der Grenze, die das Opfer der deutschen Expansions-Politik und des mitgetragenen rassistischen und antisemitischen Vernichtungswillens wurden. Wir erinnern an den Schwur von Buchenwald:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

21.11

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung Regressiver oder reflektierter Antikapitalismus?

Am: 23.11.2010
Beginn: 20:00 Uhr

Vortrag und Diskussion

Heuschrecken, Gier und Weltverschwörung
Regressiver oder reflektierter Antikapitalismus?

Finanzminister, Fernseher und Frau Meier sind sich
einig: Schuld an der Krise sind die Gierigen, die den
Hals nicht voll genug kriegen. Zusammen mit der
Krise wächst die Kritik am Kapitalismus. Könnte man
meinen. Doch hinter den Schuldzuweisungen
stecken, häufig unbewusst, handfeste
Ressentiments und ein falsches Verständnis davon,
wie der Kapitalismus funktioniert. In dem Vortrag soll
nun geprüft werden, was an den Reden über
Bankster, gierige Geldsäcke, heimtückische
Heuschrecken und schachernde Spekulanten dran ist
und wie ein reflektierter Antikapitalismus aussehen
könnte. Anschließend können die präsentierten
Inhalte diskutiert werden.

Referent:
Lothar Galow-Bergemann,
aktiver und kritischer Gewerkschafter aus Stuttgart

Veranstalter: ART – Antifa Reutlingen Tübingen

Einlass: 19.30 Uhr
Beginn: 20 Uhr
Veranstaltungsort:FranzK. Reutlingen