Archiv für Januar 2014

[S] Homophobe Demo || Zugtreffpunkte zu Gegenprotesten

Infotext von queer.de:

In Baden-Württemberg wird zum „Kampf gegen die Regenbogen-Ideologie“ geblasen: Aktivisten aus dem rechspopulistischen und christlich-fundamentalistischen Umfeld gehen gegen die Aufklärung über Homosexualität auf die Straße.

Auf einschlägigen Webseiten hat eine Initiative „Besorgte Eltern Baden-Württemberg“ zu einer Demonstration gegen den von der grün-roten Landesregierung geplanten Bildungsplan aufgerufen, der ab 2015 fächerübergreifend Schülern einen „vorurteilsfreien Umgang mit der eigenen und anderen sexuellen Identitäten“ ermöglichen soll. Die Protestaktion soll am Samstagnachmittag in der Stuttgarter Innenstadt stattfinden. In ihrer Pressemitteilung erklärten die Veranstalter: „Wir empfinden es als eine massive Zwangsindoktrination, wenn den Kindern bereits in der Grundschule ‚die verschiedenen Formen des Zusammenlebens von/mit LSBTTI-Menschen‘ nahegelegt werden“.

Die „Koalition aus Christen und anderen konservativen Kräften“, so das Hetz-Blog „Politically Incorrect“, fordert von der Landesregierung nicht nur, das Thema Homosexualität aus dem Unterricht zu verbannen, sondern sie will auch erreichen, „dass Aufklärung wieder Elternsache wird“. Diese Forderung wurde bereits Mitte Januar bei einer Protestaktion der „Besorgten Eltern NRW“ in Köln mit mehreren hundert Teilnehmern gestellt. Sie demonstrierten dabei generell dagegen, dass es auch beim Sexualkundeunterricht Schulzwang gibt. Dabei trugen die Teilnehmer, von denen viele mit kleinen Kindern erschienen sind, Transparente mit Aufschriften wie „Keine Perversion“, „Erziehung ist Elternrecht“ oder „Ich will keinen Pornounterricht“ neben dem Bild eines weinenden Kindes.

„Politically Incorrect“ wirbt für die rege Teilnahme („Jetzt gilt es!“) an dem Protest mit einem eigenen Plakat, das das Logo der homophoben Petition gegen den Bildungsplan aufgreift: Den Landeslöwen in Regenbogenfarben. Die Demo soll um 14 Uhr am Schlossplatz starten und zum Staatstheater ziehen.

192.000 Unterschriften gegen Gleichwertigkeit von Schwulen und Lesben

Unterdessen ist die Zeichnungsfrist für die homophob begründete Online-Petition „Kein Bildungsplan 2015″ am Montag zu Ende gegangen. Insgesamt haben 192.000 Menschen online oder in Unterschriftenlisten die Petition gezeichnet, davon rund 82.000 aus Baden-Württemberg, von denen allerdings viele nicht öffentlich sind. Die Aktion wurde offen von der rechtspopulistischen Partei AfD unterstützt (queer.de berichtete) wie von vielen rechten und evangelikalen Seiten. Gegenpetitionen bei Open Petition und Campact haben insgesamt bereits 220.000 Menschen unterzeichnet. Zum Unterschreiben beim letzteren Portal, das gerade Spenden für eine Anzeige in der „Stuttgarter Zeitung“ sammelt, hat auch die Bildungsgewerkschaft GEW aufgerufen.

Nach einer aktuellen Emnid-Umfrage befürworten 60 Prozent der Baden-Württemberger den LGBT-freundlichen Bildungsplan, 35 Prozent lehnen ihn ab (queer.de berichtete). In einer Landtagsdenbatte vor einer Woche heizten die Oppositionsparteien CDU und FDP die Stimmung gegen den „ideologischen Bildungsplan“ an (queer.de berichtete). FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke hatte zuvor bereits erklärt, dass Homosexuelle als Menschen in nichttraditionellen Familien als „nicht gleichwertig“ angesehen werden können (queer.de berichtete).

Update: Aufruf zu Gegenprotest

Zu einem ersten Gegenprotest hat Die Linke in Baden-Württemberg per Facebook unter dem Titel „Homophobie entgegentreten“ aufgerufen. Treff ist um 14 Uhr am Schlossplatz.“
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Zugtreffpunkte zu Gegenprotesten

In Stuttgart gibt es eine angemeldete Gegenkundgebung.
Fahrt mit uns dort hin!

Die Zugtreffpunkte für Tübingen/Reutlingen sind:
Tübingen HBF | 12:45 Uhr
Reutlingen HBF | 12:50 Uhr

„Ingrow“ – ein sexistischer Provinz-Rapper aus Albstadt

„*** Trigger-Warnung: Im folgenden Text werden sexistische Texte zitiert! ***

Sich mit irgendwelchen unbekannten Provinz-Rappern und ihrem Sexismus über die Feststellung hinaus, dass das scheiße ist, auseinanderzusetzen, mögen viele als unnötig ansehen. Doch kann dieser Fall durchaus exemplarisch für viele andere genommen werden. Nicht nur bei „Ingrow“ kommt Hiphop mit dem Dreierpack Sexismus, Behindertenfeindlichkeit und Homophobie daher – wobei bei „Ingrow“ noch die Transphobie dazu kommt. Andererseits erscheint „Ingrow“ nochmal etwas ‚krasser‘ als viele andere Rapper*innen zu sein. So viel „Bitch“, „Hure“, „Fotze“, „Mongo“, „behindert“, „Krüppel“, „Horst“ und „schwul“ war schon lange nicht mehr im ‚künstlerischen‘ Werk eines Rappers zu hören. Auch „Zwitter“ und „Hermaphrodit“ werden bei ihm eindeutig als Schimpfwörter verwendet.
Wer ist also dieser Rapper mit dem Künstlernamen „Ingrow“? Er heißt mit bürgerlichen Namen Daniel Graef, Jahrgang 1986, und kommt aus Albstadt-Ebingen. Zwar soll „Ingrow“ bereits die 26 erreicht haben, aber aus der Pubertät ist er offenbar noch nicht entwachsen. Er besingt nämlich gerne mal seinen Penis und Hoden, wozu Sigmund Freud vermutlich einiges zu sagen hätte.

Vergewaltigungs-Rachefantasien
Offenbar hat „Ingrow“ Streit mit seiner Ex-Freundin gehabt – die an dieser Stelle nochmal herzlich zu ihrer Trennung von ihm beglückwünscht werden soll. Diesen Streit ‚verarbeitete‘ der Künstler in einem Track mit dem Titel „Ganz egal“. Herausgekommen ist dabei ein frauenfeindlicher Text, der eine offene Vergewaltigungs-Rachefantasie enthält:

„Denn Du kleine Nutte wolltest ja nen anderen Schwanz /
Dieser Track hier zeigt Dir dass Du hundert andere haben kannst /
Du sollst ersticken an dem Dick der Dir im Halse steckt /
- steck den Lümmel tiefer – /
bis die Fotze an deinem Saft verreckt /
Du hast den letzten Funken Würde hiermit ganz verloren /
Dieser Track hat Dich zur größten Bitch der Welt erkoren /
Du warst besoffen und dir tut das ganze wirklich Leid /
Hoffentlich bekommst du Aids und stirbst mit einen Schwanz im Leib“
[…]
Plötzlich ist die Nutte still und schweigt /
Komm schon mach den Mund auf und halt ihn für nen Schwanz bereit /
Glaubst Du für mich war es schön Dir Hure zuzusehen /
[…]
…. einfach fremd zu gehen /
Glaubst Du ich fands cool bei Dir ins Zimmer reinzuplatzen /
und dann dich Nutte wegzuklatschen
[…]
Ich könnte kotzen wenn Du Flittchen meinen Namen nennst /
würgen wenn Du Männer am Geschmacke ihrer Samens erkennst /
Ich würd dir gern den Kopf mit einer Axt abtrennen /
Deinen toten Leichnam an den Kirchturm vor dem Haus hängen /
Ich hoffe das dich [sic!] ein Perverser so mal nachts auflauert /
dich erst vergewaltigt und stückchenweise einmauert /
Ich würde als Erinnerung an mich ein volles Gummi nehmen /
und mit deinem Bild von meinem Schwanz auf dein Grab legen“

Auch andere Stücke sind kaum besser, so heißt es in dem Track mit dem einfallslosen Titel „whip ya nuts off“:

„von dem was nachts auf meinem Doc [?] landet /
handelt davon wie ich deine Fotze gerade misshandle

Später wird im selben Track das N-Wort als Zitat von afroamerikanischen Rappern eingespielt. Allerdings ist „Ingrow“ selbst kein People of Colour, d.h. das ist bestimmt nicht Teil einer Empowerment-Strategie, sondern offenbar als Schimpfwort gemeint.

Kaum weniger sexistisch ist der Track „Wanda, die Wanderhure“, in der sich „Ingrow“ über eine Frau* auslässt, die gerne Sex mit wechselnden Partnern hat und angeblich auch mit ihm hatte. Sie wird als unhygienisch beschimpft („sie wirkt reinlich, doch alles nur Fassade / der Busch in ihren Schritt ist Vaginalpilzmaskerade“, „du bist einfach nur ein Krankheitsherd“). Doch obwohl er sie eklig findet, gibt er damit an mit ihr Sex gehabt zu haben („scheißegal einfach Augen zu / und steh ich morgens hängt sie als Saugnapf an meinem Lurch / echt ekelhaft, nicht mal Läuse siedeln ein / doch was solls, Jacki leer, ausgepackt und Schniedel rein“). Dazu dann immer der Refrain „Es ist Wanda, die Wanderhure […] sie ist ekelhaft, aber irgendwie auch geil“ bzw. „Es ist Wanda die Wanderhure / sie lutscht mein Hans, wenn ich mit nem Panda durchs Land toure“. Hier finden sich zwei typische Rollenbilder von Frauenfeinden. Sexuell eigenständige Frauen werden für ihr Handeln als „Huren“ etc. beschimpft und Mann selber nutzt das aber gerne, d.h. Frauen* sind nach dieser Vorstellung frei ‚verfügbar‘. Frauen sind bei „Ingrow“ also nur benutzbare Körper.

Im Track „ich hab dich nicht vergessen“ singt er offenbar von einem Freund, der ihn enttäuscht hat. Dieser wird, offensichtlich um ihn zu erniedrigen, zur Frau umgedichtet:

„von der Freundin gefickt, in die Hölle geschickt wurde /
weil diese Bitch lieber gebückt wie ne Hure beglückt wurde /
[…]
ich fick Dich so oft Du kannst Dich gleich in einen spermaweißen Bach reinstürzen /
schau Dich an, Du bist ne ganz komische Marke. /
Was willst Du mir beweisen? /
Bah, ich scheiß auf dich, du kleine zarte /
gefickte Hure mit dem Aussehen einer Warze /
Du hast so wenig stolz, du leckst fremden Männer Eier /
Du hast so wenig stolz, Du fickst Freunde wie ein Geier“

In dem Track „Kev ist dead“ heißt es sozialchauvinistisch: „wir wissen das du Junkie bist /
deine Alkie-Fahne hisst / du abgestürzter Säufer verkackst dein Leben und bist angepisst“.

Was „Ingrow“ in seinem Text „VBT2011“ mit der Zeile „hätten wir jetzt 1940 würd ich glatt gasen“ meinte, will mensch lieber gar nicht so genau wissen.

Fazit: Das Privat ist politisch und die Musik ist auch!
Um sie schon mal vorweg zu nehmen, die üblichen Verteidigungsstrategien zu solchen Texten lauten:
A, Das meint der doch nicht so. Das ist nur Provokation.
- Jeder Mensch will ernst genommen werden mit seinen Aussagen. Das sei hiermit getan.
B, Der lebt halt auf diese Weise nen privaten Konflikt aus.
- Das kann niemals z.B. seine frauenverachtenden Rache-Fantasien entschuldigen.
C, So ist nun mal Hiphop.
Vielleicht sind viele artists so, aber das heißt ja noch lange nicht, dass es so sein muss.
D, Der ist doch kein Frauenfeind etc. Der hat noch nie eine Frau* misshandelt.
- Mal abgesehen davon, dass sich Sexismus nicht in gewalttätigen Übergriffen auf Frauen* erschöpft und selbst wenn er das noch nie getan hat – Textzeilen wie „und dann dich Nutte wegzuklatschen“ lassen das ernsthaft bezweifeln – er bereitet auf jeden Fall der Gewalt gegen Frauen* und Mädchen mit seinen Texten den Boden.

Das Problem ist aber nicht ein Rapper mit menschenverachtenden Texten wie „Ingrow“ allein. Der Typ hat ja ein soziales Umfeld, Konsument*innen und ist organisiert. Auch hat ihm ein Drehteam mit dem Namen „Ofura“ aus Albstadt Hilfe für den Videodreh angeboten. In dem 2013 gegründeten Verein „Albstadt Art Connection e.V.“ (AAC) ist er sogar der stellvertretende Vorsitzender.
Niemand scheint offenbar großartig Probleme mit ihm und seinen hass-zerfressenen Texten zu haben. Auch die Presse nicht. So erschien am 13. Juni 2013 ein extrem unkritischer Artikel mit dem vielsagenden Titel „Ausdrucksstarker Rap“ in der „Hohenzollerischen Zeitung“ der „Südwest-Presse“. In dem Artikel aus der Feder von Olga Schwab heißt es ernsthaft: „Neben markanten und provokanten Battle-Reimen schlagen sich nicht selten auch durchdachte, tiefgründige, aber auch selbstironische Textpassagen durch. »Ich mag es auch ab und zu langsame Sachen zu machen, welche den Hörer zum Denken anregen sollen.«“ Ist die Journalistin echt dieser Meinung oder hat sie nicht genau hingehört?
Natürlich könnte mensch auch diesen Typen mit seiner sich frühkindlich ausnehmenden Genitalfixierung der durch sexistischen Rap, Fitnessstudio und lächerliches Muskelshirt-Outfit eindeutig irgendwas zu kompensieren versucht, einfach links liegen lassen. Vielleicht war ja der Platz 54 der deutschen Videocharts schon der Höhepunkt seiner Provinz-Rapper-Karriere. Doch das wäre falsch. Sexismus, Homophobie, Behindertenfeindlichkeit, Rassismus, NS-Verharmlosung und Sozialchauvinismus sollte auch widersprochen werden, wenn diese Formen der Menschenfeindlichkeit aus dem Mund von einem unwichtigen Provinzrapper kommen, der selbst in seinem Track „Ich bin behindert“ zugibt: „Tut mir Leid mein Kopf ist momentan verhindert“. Wie wahr. „Ingrow“ selbst wird in dem oben benannten Artikel zitiert mit den Worten: „Ich liebe es, harte Aussagen zu bringen.“ Es sind aber keine ‚harten‘ Aussagen, sondern widerwärtiger Dreck, der da aus seinem Mund kommt. „Ingrow“ selbst gibt an, genau deshalb mache er Rap: „Es ist einfach alles erlaubt.“ Offenbar gibt es in Albstadt ein ruhiges Hinterland für Sexisten. Wird Zeit das sich das mal ändert! “

Quelle: jetztreichts.blogsport.de

Aufruf zu dezentralen Aktionen gegen die Konzessionierung der Zelle und allen anderen Häusern!

Ein Aufruf der Zelle zum Gerichtstermin am 29.01.2014.

„Der Gerichtstermin für die Zelle steht bald an. Er ist festgelegt auf den 29.01.2014 vor dem Landesverwaltungsgericht in Mannheim. Bei diesem Termin geht es um die Frage ob die Zelle eine Gaststätte ist und somit eine Konzession braucht oder nicht.

Wir wollen an dieser Stelle noch einmal ganz deutlich darauf hin weisen, dass dies nicht ein einzelner Angriff auf eines unserer Zentren ist. Es ist, wie eine der ältesten linken Parolen schon sagt, ein Angriff auf uns alle und unsere Häuser. Denn das Urteil wäre als Präzedenzfall dann für alle Zentren auf Landesebene gültig. Somit ist allen Städten, obgleich sie im Moment von den Grünen oder der CDU regiert sind, eine weitere Tür geöffnet um unsere Häuser mit Repressionen und Einschränkungen zu überziehen.

Wir wollen diesem Urteil aber nicht tatenlos entgegen sehen. Wir haben keinen Bock mehr immer auf Urteile anderer zu warten, denn was wir wollen ist uns doch schon lange klar: Selbstbestimmung!

Deshalb rufen wir zu selbst bestimmten dezentralen Aktionen vor und an dem Gerichtstermin auf.

Macht eurem Ärger Luft! Ob bei Nacht und Nebel oder beim Auftritt eines singenden Bürgermeisters! Und/Oder geht mit uns am 29.01.2014 nach Mannheim, überlegt euch solidarische Aktionen in der Stadt oder Beobachtet den Prozess mit uns!

Wir bleiben alle unverträglich! Zelle bleibt!

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Den Aufruf gibt es auch als Jingle. Ihr findet ihn hier.

Außerdem gibt es eine Doku über den Konflikt der Zelle mit der Stadt Reutlingen. Die findet ihr hier.

Zugtreffpunkte für den 29.01.2014

Tübingen Hbf | 06:45 Uhr
Reutlingen Hbf| 07:00 Uhr

Weitere Infos zur Zelle findet ihr auf ihrer homepage.