Archiv für Mai 2015

„Antifa macht Polizei Vorwürfe“

Die Polizei hat im Tagblatt vom 18.04.15 auf unsere Stellungnahme zum Überfall auf eine Flüchtlingsunterkunft geantwortet:

Antifa macht Polizei Vorwürfe

Vorfall in Flüchtlingsheim: Eigene Recherchen ergäben anderes Bild

Der Vorfall mit Schreckschüssen und Böller in einer Reutlinger Flüchtlingsunterkunft ist weiter nicht aufgeklärt. Derweil erhebt Antifa Reutlingen-Tübingen Vorwürfe gegen die Polizei. Diese antwortet im Tagblatt.

Reutlingen. In der Nacht zum 31. März war ein Mann in die Unterkunft in der Ringelbach-Straße eingedrungen, hatte in einem von fünf Gambiern belegten Zimmer einen Silvesterböller gezündet und hinterher auf der Flucht im Flur mehrere Schüsse aus einer Schreckschusswaffe abgegeben (wir berichteten). Die Polizei meldete, dass dabei niemand verletzt worden sei.
Dem widerspricht Antifa: „Nach eigenen Recherchen wurde eine Person aus der Unterkunft in der Nacht des Angriffes ins Krankenhaus eingeliefert. Unklar ist allerdings, ob ein Zusammenhang mit dem Überfall besteht und ob es darüber hinaus zu psychischen Verletzungen kam.“ Auf TAGBLATT-Anfrage erklärt die Polizei nun, im direkten Zusammenhang mit der Tat sei niemand verletzt worden. Wohl aber habe sich unabhängig davon einer der Gambier aufgrund der psychischen Belastung in die Klinik für Psychiatrie in Reutlingen begeben, räumt die Polizei ein. Am Tag darauf sei er dort wieder entlassen worden.
Die Ermittler haben einen fremdenfeindlichen Hintergrund immer mit Verweis darauf ausgeschlossen, dass der Täter zielstrebig ein abgelegenes Zimmer aufgesucht habe. Deshalb vermutet die Polizei, dass es vorher bereits einen Vorfall zwischen den beteiligten Personen gegeben habe. „Hier hat die Polizei aber nicht ausreichend ermittelt“, schreibt Antifa ans TAGBLATT. Denn nach Angaben von Bewohnern habe der Täter zuerst versucht, ein anderes, verschlossenes Zimmer zu öffnen.
Auch sei vermutlich nicht nur eine Person am Übergriff beteiligt gewesen, sondern zwei oder drei. Es gebe offenbar Zeugen, welche die potenziellen Täter auf dem Weg zur Unterkunft gesehen haben sollen. „Antifa findet die unprofessionellen Ermittlungen der Polizei skandalös. Wieder einmal wird von persönlichen Motiven ausgegangen und nicht offen in alle Richtungen ermittelt“, heißt es im Schreiben. Bereits kurze Gesprächen mit den Bewohnern hätten ein ganz anderes Bild ergeben.
Zu diesen Vorwürfen erklärt die Polizei: „Wir haben bei unseren bisherigen Recherchen und Vernehmungen keine Erkenntnisse erlangt, dass der Täter zuvor bereits ein anderes, verschlossenes Zimmer betreten wollte. Der Polizei gegenüber wurden diesbezüglich keine Aussagen von Bewohnern gemacht.“
Kriminaltechniker hätten am Tatort akribisch potenzielle Spuren gesichert, die jetzt noch kriminaltechnisch ausgewertet werden müssten. Ein Ergebnis liege bislang nicht vor. Möglicherweise würden sich dadurch weitere Anhaltspunkte auf die Täterschaft ergeben.
Die Kriminalinspektion 6 (politisch motivierte Kriminalität) der Kriminalpolizeidirektion Esslingen sei von Anfang an mit eingebunden gewesen und habe noch in der Tatnacht vor Ort die Ermittlungen übernommen. Gegenwärtig sei zu sagen, dass die Polizei nach wie vor keine Anhaltspunkte zu den Hintergründen der Tat habe und immer noch von einem Einzeltäter ausgehe, zu dem es bislang ebenfalls keine näheren Erkenntnisse gebe. Die Staatsschutzabteilung der Kriminalpolizei wolle auch die Möglichkeit einer fremdenfeindlich motivierten Tat nicht vorschnell ausschließen.“