Archiv für März 2018

Bunt statt Farbe – Gegen den Bürgerschoppen der Tübinger Verbindungen

Rechten Eliten keine Plätze bieten
Bedauerlicherweise gehören Verbindungen und Verbindungsstudenten
inzwischen wie selbstverständlich zum Tübinger Stadtbild. Nahezu
ungestört können die Korporierten neue Mitglieder werben und
Selbstdarstellung im öffentlichen Raum betreiben. Sei es nun durch
sexistische Flyer für ihre Partys, Zimmeranzeigen für günstigen
Wohnraum, welche oft Männern vorbehalten sind, Führungen durch die
Verbindungshäuser am Österberg, ihr uniformiertes Auftreten bei manchen
Uni-Veranstaltungen oder ihre Infostände beim Dies Universitates.
Unserer Meinung nach muss damit endlich Schluss sein. Es muss wieder ein
breites Bewusstsein für die Kritik an studentischen Verbindungen
geschaffen werden!
In Studentenverbindungen finden sich in zugespitzter Form die in der
Gesellschaft verankerten Diskriminierungsformen wieder. Darunter fällt
nicht zuletzt der Elitegedanke, Nationalismus oder Sexismus. Darüber
hinaus setzen sie sich aktiv dafür ein solche Strukturen zu erhalten.
Warum sollten wir ihnen also weiterhin die Möglichkeit geben ihr
elitäres, patriarchales, konservatives und veraltetes Weltbild zu
festigen und zu verbreiten?

Der Bürgerschoppen
Nach jahrelangen Gegenprotesten mussten die Tübinger
Studentenverbindungen ihr traditionelles Maieinsingen in der Nacht vom
30. April auf den 1. Mai aus ihrem Terminkalender streichen. Stattdessen
findet nun seit 2009 der so genannte Bürgerschoppen statt. Damit wurde
die an üblere Zeiten erinnernde Ästhetik von uniformierten Fackelträgern
gegen ein scheinbar harmloseres öffentliches Event bei Sonnenschein
ausgetauscht, dabei haben sich aber weder Teilnehmende noch Inhalte
geändert. Boris Palmer, der grüne Oberbürgermeister, der sich in letzter
Zeit häufig mit dem Vorwurf des Rassismus und der Befeuerung von
Fremdenhass konfrontiert sah und offizielle Vertreter der Universität
Tübingen traten dabei bereits mehrfach als Redner in Erscheinung. Damit
versuchen die Studentenverbindungen einmal mehr ein scheinbar harmloses
Bild von sich selbst zu zeichnen um eine Akzeptanz in der so genannten
Mitte der Gesellschaft zu erreichen.
Dem wollen wir nicht tatenlos zusehen und unsere Kritik entgegensetzen!
Deshalb kommt alle am Sonntag, den 6. Mai, um 9.00 Uhr auf den Tübinger
Holzmarkt zur Kundgebung gegen das Anbiedern an die reaktionären
Seilschaften.
Lasst uns ein deutliches Zeichen gegen studentische Verbindungen setzen!

[Kandel] Gegen die rechte Großdemo – Zugtreffpunkte aus TÜ/RT

Zu den antifaschistischen Protesten in Kandel am Samstag (24.03.) wird es eine gemeinsame Anreise aus Tübingen und Reutlingen geben:

Tübingen Hbf | 09:15 Uhr
Reutlingen Hbf | 09:30 Uhr

Hier der Aufruf von eingreifen.blogsport.eu, dort findet ihr auch aktuelle Infos.

Eingreifen, wenn es wichtig ist

Bereits drei Mal seit Jahresbeginn marschierten bis zu 3000 Rechte und Nazis durch die Kleinstadt Kandel in der Südpfalz. Kandel, das nur ca. 20 Minuten von Karlsruhe entfernt liegt, wurde von Nazis und RassistInnen ausgewählt, weil dort Ende des vergangenen Jahres eine 15-jährige, junge Frau von ihrem Ex-Freund brutal erstochen wurde. Wie man sich denken kann, geht es den meist männlichen Demonstranten nicht um Gewalt an Frauen oder einer prinzipiellen Gegnerschaft zur Unterdrückung der Frau: Wäre der Täter nicht als Geflüchteter nach Deutschland gekommen, wäre der tragische Tod der jungen Frau – wie so häufig bei Fällen patriarchaler Gewalt – als Randnotiz in den Zeitungen verhallt.
Die Märsche der Nazis und RassistInnen in Kandel zeigen für Süddeutschland eine neue Qualität rechter Aktivitäten. Offiziell angeführt von der AfD marschieren hier monatlich bis zu 3000 Personen, die das gesamte Spektrum rechts der CDU abdecken – mit offener Beteiligung faschistischer Kräfte wie etwa Nazihools, JN und „Identitärer Bewegung“.
Hier wird das gesamte rechte Wutbürger-Potenzial, das mit der AfD sympathisiert, sich aber außerhalb der Facebook-Kommentarspalten im Süden nur sehr ungern in der Öffentlichkeit zeigt, mobilisiert. Anders als beispielsweise bei den Anfängen von Pegida in Dresden, ist die AfD nicht mehr politisch dazu gezwungen sich formal von den glatzköpfigen Schlägerhorden zu distanzieren. Diese Entwicklung einer immer niedrigeren Hemmschwelle, Seite an Seite mit bekennenden, klar und deutlich zu erkennenden Faschisten zu demonstrieren, ist ein neuer, ganz praktischer Ausdruck des politischen Rechtsrucks.
Es mag befremdlich klingen, hat man doch noch nie in seinem Leben von dem kleinen, idyllischen Ort gehört; doch die Demos in Kandel sind nach eigenen Aussagen rechter Vordenker, ein zentrales, strategisches Projekt neben den Märschen in Berlin und Hamburg. Hier soll das Zusammenwirken parlamentarischer Rechter und „der Bewegung auf der Straße“ unter der Führung der AfD geprobt und sich – wenn auch nur temporär – eine Stadt genommen werden. Was diese „temporären NS-Areas“ für MigrantInnen, Linke oder Andere bedeutet, ist unschwer vorzustellen.
Es liegt an uns AntifaschistInnen, diese Entwicklung ernst zu nehmen und dementsprechend zu reagieren. Es geht in Kandel nicht nur darum einen weitere, vielleicht etwas größeren rechten Marsch bestenfalls zu verhindern. Es geht um mehr: Die Rechten machen uns ganz direkt den öffentlichen Raum streitig. Wenn falsche Mehrheiten entstehen und der rechte Mob unbehelligt durch die Straßen zieht und NazigegnerInnen angreift, dann ist das ein Problem. Und zwar ein großes.
Es liegt an uns sich diesen Zuständen anzunehmen. Wir müssen alles daran setzen, den Nazis und RassistInnen ihre Gewissheit zu nehmen, dass eine Stadt für einen Tag ihnen gehört. Die Mittel einer solchen Verteidigung des öffentlichen Raums sind vielfältig und nach Notwendigkeit zu wählen; nur so schaffen wir es der Normalisierung rechter Gewalt nicht tatenlos gegenüber zu stehen und mit anzuschauen, wie der Gegner immer stärker wird.
Daher: Antifas aus dem Südwesten – alle nach Kandel! Bereitet euch vor – den Nazis keinen Fußbreit!

22.03.2018 | Mobivortrag gegen den Naziaufmarsch in Dortmund am 14.04.

Am 14.04.2018 will die Partei Die Rechte in Dortmund eine Großverantaltung abhalten. Mit der Demonstration “Europa erwache” wollen Faschist*innen aus ganz Europa Dortmund als Aufmarschort nutzen, um so auch eine bestehende Vernetzung weiter auszubauen. Dies soll eine Auftaktveranstaltung für einen jährlich stattfindenden Wanderpokal sein. Die Nazis kündigen an, im Dortmunder Innenstadtbereich zu laufen. Sie wollen am Samstag, den 14.04. um 13 Uhr am Stadthaus starten.
Die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Dortmunder Polizei einiges dafür tut, dass menschenverachtende Hetze auf die Straße getragen werden kann. Allerdings zeigte sich im Zuge der Vorbereitung von Gegenprotesten zum Tag der deutschen Zukunft 2016 in Dortmund auch, dass allein durch antifaschistischen und politischen Druck faschistische Aufmärsche in außenliegende Bezirke verdrängt werden können.

Sorgen wir mit vielen Antifaschist*innen dafür, dass sie nicht in die Innenstadt kommen können. Wir nehmen uns an diesem Tag die Straße, die Plätze, die Parks und bieten statt rassistischer, sexistischer und antisemitischer Scheiße eine linke Öffentlichkeit.

Für den 22.03. haben wir eine Person eingeladen, die über den Stand der Mobilisierung sowie die Begebenheiten vor Ort berichten wird.
Los gehts um 20 Uhr im Keller der Ludwigstraße 15.
Weiter Infos für den 14.04. findet ihr außerdem auf dortmund.blogsport.de.

Gegen den Bürgerfrühschoppen der Tübinger Verbindungen

Auch im Jahr 2018 wird aller Voraussicht nach im Mai der vom Arbeitskreis Tübinger Verbindungen (AKTV) veranstaltete „Bürgerfrühschoppen“ statt finden.
Dieser stellt ein identitätsstiftendes Moment für die Tübinger Verbindungen dar.
Man kommt zusammen, trinkt Bier, isst Bratwürste und gibt sich bürgernahe.
Dieser scheinbaren Normalität wollen wir uns entgegen stellen! Denn bei studentischen Verbindungen handelt es sich in der Mehrzahl immer noch um reaktionäre und elitäre Strukturen.
Achtet auf weitere Ankündigungen, checkt unsere Homepage oder die der Antifa (Aufbau) Tübingen und lasst uns gemeinsam den „Bürgerfrühschoppen“ zu unserer Party machen!

Rechten Eliten keine Plattform bieten!

Vortrag: Junge, das ist Rape Culture!

Am 07.03.2018 veranstalten wir mit dem Infoladen einen Vortrag zum Thema „Junge, das ist Rape Culture! Geschlechterhierarchie und Ist-Zustand unserer Gesellschaft“
Los gehts um 19:00 Uhr in der Hausbar der Schellingstraße mit veganem Essen, um 20:00 Uhr beginnt der Vortrag.

Der Fall Tugce Albayrak, Julian Assange im Exil der equadorianischen Botschaft in London oder der entfesselte Debattenmob nach der Kölner Sylvesternacht: Was diese medialen Ereignisse miteinander verbindet, ist die allgemeine Unfähigkeit im Öffentlichen wie im Privaten, sich dem Problem der sexuellen Gewalt wirklich angemessen, ethisch und politisch, zu stellen.
Die vielfältigen Abwehrmechanismen, mit denen nicht bloß Männer auf die Konfrontation mit sexueller Dominanz reagieren, sind nicht nur eine alltägliche Herausforderung für antisexistische Bemühungen, sondern stellen mit der hinter ihnen steckenden Psychologie auch Schnittstellen dar, anhand derer die tiefe Verwobenheit der Geschlechterhierarchie mit anderen Feldern des Ideologischen nachempfunden werden kann. Als Ideologien stellen sie banalerweise sicher, dass die gesellschaftlichen Verhältnisse bleiben, wie sie sind.
Im Vortrag soll anhand einiger jüngerer Beispiele dieser Zusammenhang näher beleuchtet und gezeigt werden, dass das Schlagwort „Rape Culture“ zu mehr taugt als zur Klage darüber, dass in Fällen sexueller Gewalt meist den Betroffenen die (Mit-)Schuld gegeben wird. Ohne dann bei Oberflächlichkeiten wie „Diskriminierung“ oder Macht“ stehen bleiben zu müssen, kann verstanden werden, dass die Hartnäckigkeit des Sexismus auf einen gesellschaftlichen Ist-Zustand verweist, der ohne Geschlechterhierarchie in seiner Gänze undenkbar würde.

07.04.2018 | Kandel | Proteste gegen rechte Großdemo