Archiv für Juli 2018

PM: Transparent am Epplehaus zum Ende des NSU-Prozess und im Gedenken an die Opfer rechter Gewalt

Unten findet ihr unsere Pressemitteilung zum Ende des NSU-Prozess. Das Schwäbische Tagblatt ging in einem Artikel vom 11.07.18 darauf ein.

Der NSU-Prozess in München neigt sich nach über 400 Verhandlungstagen
dem Ende zu.
Viele Angehörige, Betroffene und andere Beobachter*innen des Prozesses
sind enttäuscht von dessen Verlauf und der mangelnden Bereitschaft des
Oberlandesgerichtes den Netzwerkcharakter des NSU anzuerkennen. Die
Bundesanwaltschaft geht noch immer von einem NSU-Trio aus, obwohl
zahlreiche Recherchen und viele der Ergebnisse der
Untersuchungsausschüsse für ein ganzes Netzwerk von Nazis sprechen und
für eine Unterstützung des NSU durch militante Nazistrukturen wie
Blood&Honour und Kameradschaften vor Ort.
Auch die zahlreichen Verbindungen zwischen dem Netzwerk des NSU und dem
Verfassungsschutz wurden im Rahmen des Prozesses nicht aufgedeckt,
Konsequenzen, z.B. die Abschaffung des Inlandsgeheimdienstes wurden
nicht gezogen.
Am 11.07.2018, dem Tag der Urteilsverkündung, wollen deshalb viele
Menschen in München und in anderen Städten auf die Straße gehen. Auch
aus Tübingen fahren Aktivist*innen gemeinsam mit dem Zug nach München,
da die Auseinandersetzung mit dem NSU nicht mit dem Prozess beendet sein
sollte.

Um den Opfern des NSU-Netzwerkes und auch den zahlreichen anderen
Mordopfern von Nazis in Deutschland zu gedenken, wurde heute ein
Transparent am Jugendzentrum Epplehaus aufgehängt. Auf dem Banner sind
die Namen aller bekannt gewordenen, seit Beginn der 90er Jahre von Nazis
in Deutschland ermordeten Menschen zu lesen. Die Morde des NSU stehen
nicht allein, sondern reihen sich ein in eine grausame Geschichte der
rassistischen Gewalt in Deutschland. Migrant*innen sind in diesem Land
nicht nur von direkter körperlicher Gewalt betroffen, sondern auch von
einem rassistischen Diskurs in der Gesellschaft, der oft zur Folge hat,
dass sich polizeiliche Ermittlungen gegen die Betroffenen richten und
rassistische Taten nicht als solche benannt werden.

Dieses Transparent soll Opfer sichtbar und uns nachdenklich machen, soll
Fragen aufwerfen, wie diese Morde möglich sein konnten, soll daran
erinnern, besser zuzuhören und daran, zu kämpfen gegen Nazis und denen,
die ihnen den Weg ebnen, aber auch gegen einen Rassismus der die gesamte
Gesellschaft durchzieht.

14.07. – Auf die Straße gegen das größte rechte Rockfestival in Süddeutschland!

Vom 19. bis 21. Juli findet in Laichingen das „Rock dein Leben“-Festival
statt. Auf diesem werden unter anderem die Bands Frei.Wild,
Krawallbrüder, Unantastbar und viele weitere spielen, die eine
rechtsradikale oder -extreme Vergangenheit haben. Frei.Wilds Sänger
Philipp Burger hat vor der Gründung Frei.Wilds in der Neonazi Band
Kaiserjäger gespielt und die Krawallbrüder verkehren offen mit Neonazis.
Das Festival rechnet mit 6000-8000 Besuchern, zu erwarten sind unter
ihnen auch Rechtsradikale und Nazis, die auf dem
Rock-dein-Leben-Festival Anschluss an Gleichgesinnten finden möchten.
Die aktuellen Verlautbarungen der Veranstalter das Festival langfristig
etablieren zu wollen, sollte bei uns die Alarmglocken klingen lassen.
Wollen wir die nächsten Jahre nicht mit einem gigantischen
Grauzone-Festival in der Region Ulm konfrontiert werden, dann gilt es
jetzt zu handeln!

Gemeinsam wollen wir gegen nationalistische Bands aufstehen, darüber
informieren und mit dem idyllischen Schein eines „normalen“ Festivals
brechen.

Laichingen ist kein Ort für ein rechtsoffenes und ausländerfeindliches
Festival. Wer gegen anderen Kulturen und sexuelle Vielfalt ist, der hat
in Laichingen oder sonstwo nichts zu suchen!

Gemeinsam auf die Straße, gegen das größte rechte Rockfestival in
Süddeutschland!

Laichingen muss bunt bleiben!

Treffpunkt: 14.07. um 14 Uhr, Marktplatz Laichingen

Weitere Informationen zum Festival, den Bands und den Betreibern findet ihr auf nichtgut.blogsport.eu