Neonazis bewaffnen sich auch in der Neckar Alb Region

Der Neonazi Christoph Ozanna betreibt in Frickenhausen nicht nur das rechte Musiklabel „Hrungnir Records“. Auch ist er im Schützenverein Tischardt aktiv, wo er legal Zugang zu Schusswaffen hat. Der rechte Freundeskreis „Eichbühl Germania“, zu deren Aktiven Ozanna zählt, trifft sich auf dem Gelände des Schützenvereins.

Christoph Ozanna betreibt seit mehreren Jahren das rechte Musiklabel „Hrungnir Records“, welches auf seine Wohnadresse in der Kelterstraße 10 in 72636 Frickenhausen angemeldet ist. Dort wohnt er mit seiner ebenfalls neonazistischen Ehefrau Estella Ozanna, welche in der Altenpflege arbeitet. Derzeit suchen sie ein Haus um es gemeinsam zu kaufen.

„Hrungnir Records“ ist der Exklusivvertrieb der mittlerweile aufgelösten Naziband „Noie Werte“. Und war ein Supporterclub mit Jahresmitgliedschaft:

Mit ihrem neuen Label „Hrungir Records“ gründete die Band sogar einen Supporter-Club: die »Noie Werte Unterstützer«. Für einen Jahresbeitrag von 36 Euro winkten Rabatte und exklusive T-Shirts. »Die Unterstützungsbeiträge fließen zu 100 Prozent in neue Produktionen«, hieß es.
Thomas Kuban: Blut muss fließen. Undercover unter Nazis, Ulm 2012, Seite 71

Auch mindestens zwei weitere rechte Musikkapellen werden von Ozanna vertrieben, „Story of Rhodesia“ und „Neubeginn“.

„Noie Werte“ um den Reutlinger Anwalt Steffen Wilfried Hammer waren seit den späten Achtzigern in der Rechtsrock-Szene aktiv und pflegten gute Beziehungen zum britischen Neonazi Ian Stuart Donaldson, dessen rechter Band „Skrewdriver“ und dem davon ausgehenden internationalen Nazinetzwerk „Blood & Honour“ (B&H). Die deutsche Sektion von „B&H“ wurde 2000 verboten, agiert jedoch versteckt weiter, wie zahlreiche Funde von Tonträgern auch in den letzten Jahren in der BRD zeigen. Hierzu tragen Neonazis wie Christoph Ozanna bei, die weiterhin die Strukturen aufrecht erhalten, um rechte Musik zu vertreiben. Die Bekenner DVDs des „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) waren mit Musik von „Noie Werte“ unterlegt. Eine zeitweilige Kanzleikollegin von Hammer, Nicole Schneiders, verteidigt den mutmaßlichen NSU Unterstützer Ralf Wohlleben.

Der Hauptsitz der Kanzlei Hammer, die auf Ehe- und Scheidungsrecht spezialisiert ist, in der Brühlwiesenstraße 13 in Reutlingen-Gönningen. Dort lebt der Nazisänger und Anwalt mit seiner ebenfalls neonazistischen Ehefrau Meike Hammer und den gemeinsamen Kindern. Meike Hammer führt mittlerweile eine eigene Kanzlei, ebenfalls in Gönningen, die auf Erbrecht spezialisiert ist. Neben diesem erwähnten Hauptsitz unterhält die Kanzlei Hammer Zweigstellen, eine in Stuttgart in der Werastraße 99 zusammen mit dem Neonazi Alexander Heinig, eine weitere im bayerischen Weißenstadt in der Wunsiedler Straße 7. Hier wird Andreas Wölfel als angestellter Rechtsanwalt genannt.

Die von Ozanna betreute Band „Story of Rhodesia“ bezieht sich namentlich auf eine ehemalige britische Kolonie in Afrika und deren Apartheidsregime. Dieses wird von Neonazis unter rassistischen Gesichtspunkten glorifiziert. Mit dieser Band kann Marc Green in Verbindung gebracht werden, ebenfalls ein nicht unbekannter Name in der südwestdeutschen Neonazi Szene.

Die Musikgruppe „Neubeginn“ besteht seit 1993 in wechselnder Besetzung, u.a. spielen (ehemalige) Mitglieder der Naziband „Storm of Mind“ bei „Neubeginn“.

„Hrungnir Records“ kann aufgrund seiner personellen Besetzung wie auch der Bands, die hier vertrieben werden, im Umfeld von „Blood&Honour“ verortet werden.

Christoph Ozanna ist im Schützenverein Tischardt aktiv. Dies belegen Fotos, auf denen er vor einer Fahne des SV Tischardt zu sehen ist. Im Kreis weiterer Schützen und Schützinnen präsentiert er hier eine Urkunde. Der Deutsche Schützenbund e.V. als Dachverband wurde über diesen Sachverhalt informiert. Trotz der ausdrücklichen Bitte um eine Stellungnahme und den Ausschluss Ozannas sah sich der Verband zu keinerlei Reaktion veranlasst. Laut „Die Welt“ sind in Baden-Württemberg 35 Neonazis in Besitz von Schusswaffen (http://www.welt.de/regionales/stuttgart/article109829223/35-Rechtsextreme-im-Suedwesten-haben-Schusswaffen.html). Von Staates Seite wird nichts zu erwarten sein, das haben nicht zuletzt die skandalösen Verwicklungen verschiedener Ämter und Behörden im NSU-Geflecht gezeigt. Dennoch fordern wir an dieser Stelle Christoph Ozanna den Zugang zu Schusswaffen nicht zu gestatten und eine Stellungnahme der zuständigen Waffenbehörden.

Dass sich Neonazis legal bewaffnen und Schießübungen im Rahmen eines Schützenvereins durchführen können, macht bestürzt und lässt fragen, ob aus dem Bekanntwerden des NSU nichts gelernt wurde.

Doch nicht nur Ozanna und die anderen Schützen und Schützinnen verkehren auf dem Gelände des SV Tischardt, welcher in Tischardt in der Straße „Im Eichbühl“ liegt. Ozanna trifft sich hier auch mit einem anderen Freundeskreis: den selbsternannten „Eichbühl Germanen“ bzw „Eichbühl Germania“ (EG). Hierbei handelt es sich um einen scheinbar losen Freundeskreis. Bei genauerem Hinsehen muss jedoch festgestellt werden, dass die allermeisten der hier vernetzten Personen durchaus, zumindest in Versatzstücken, rechte Weltbilder haben. Zumeist junge Männer aus der Region, verbringen sie die Wochenenden unter Gleichgesinnten, auf dem Gelände des SV Tischardt, in den Kneipen der Region oder auf Festen von ebenfalls neonazistischen Freunden. Am 1. Mai 2011 nahmen Christoph und Estella Ozanna und weitere Personen aus dem EG Umfeld an einem neonazistischen Aufmarsch in Heilbronn teil.

Zum Umfeld der EG zählen u.a. Andreas Glück, Heiko Werz, Jochen Kolland, Thomas Glück, Kevin Schwarze, Timo Kraiser sowie Jens Schrade und Sascha Andre Obenhack aus Reutlingen. Ebenso wie Ronnie Hellriegel, ein bekannter NPD Funktionär in Baden-Württemberg. Marco Wahl betreibt ein Reinigungsunternehmen in der Region, gleichzeitig wird ihm nachgesagt, in der hiesigen JN / NPD aktiv zu sein. Volker Müller ist eine weitere Personalie, die in diesem Zusammenhang auftaucht. Zusammen mit Ozanna besucht Müller des öfteren die ?Tebbes Cocktailbar? in Nürtingen. Dort gab es auch schon Meinungsverschiedenheiten mit dem Inhaber wegen der offen rechten Gesinnung der beiden. Allerdings scheint man sich auf der Anbieter-Kunden Ebene sehr gut zu verstehen und es scheint kein Anlass zu bestehen, das Bewirten dieser Personen zu überdenken, vielmehr werden sie trotz des Wissens um ihre Einstellung geduldet.

Auch Jens Eberhardt steht der EG nahe, als Betreiber des Kleidungslabels „Der Eber“ trat er bisher wenig in Erscheinung. Werbeprospekte der Marke „Der Eber“ wurden zusammen mit NPD Flyern in Briefkästen verteilt, außerdem betreibt er eine Grafikfirma mit dem Namen „je-sign“. Diese „je-sign“ zeichnet verantwortlich für die grafische Umsetzung der Homepage von „Law-Apps“. „Law-Apps“ wiederum bietet Apps für Smartphones an, die die Suche nach Juristinnen und Juristen erleichtern soll. Law-Apps nutzt den selben Briefkasten in Gönningen wie die Kanzlei Meike Hammer und ist auch auf sie eingetragen. Es kann davon ausgegangen werden, dass auch hier Steffen Hammer hinter dem Geschäft steht, was sich allerdings nicht belegen lässt. Außerdem erstellte Jens Eberhardt auch die Homepage von internet-scheidung.de, eine Adresse von Steffen Hammers Kanzlei.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass auch im beschaulichen Südwesten der Republik Neonazis aktiv sind. Nicht nur, dass die Kontakte der Kader bis weit ins NSU-Umfeld reichen, bzw. die Personen selbst dort angesiedelt werden müssen, auch haben Neonazis die Möglichkeit sich legal zu bewaffnen. Als Gäste, Kunden und die ordentlichen jungen Männer von nebenan sind sie in den Gemeinden und Ortschaften nicht nur geduldet, sondern oft auch angesehen.

Hier gilt es den Einfluss der Neonazis zurückzudrängen und klar zu stellen, dass Faschismus niemals nur eine Meinung ist, sondern immer ein Verbrechen. Die Personen und deren Strukturen aus der Anonymität zu reißen kann ein erster Schritt sein.