Gegen die Po­li­zei­schi­ka­nen im Zu­sam­men­hang mit der Zelle!

Was sich die Po­li­zei ge­gen­über der Zelle und deren Pu­bli­kum leis­tet macht uns wü­tend und trau­rig. Per­so­nen wäh­rend Kon­trol­len gegen deren Wil­len in den Schritt zu fas­sen, diese sich im Strei­fen­wa­gen ent­klei­den zu las­sen und an­de­res sind For­men se­xua­li­sier­ter Ge­walt. Men­schen wegen ihrer Haut­far­be „ver­dachts­un­ab­hän­gi­gen Per­so­nen­kon­trol­len“ zu un­ter­zie­hen ist die ras­sis­ti­sche Pra­xis des „ra­ci­al pro­filing“. Bei­des und wei­te­re Saue­rei­en immer wie­der und immer ve­he­men­ter im di­rek­ten Um­feld der Zelle zu ver­an­stal­ten und dabei ge­zielt Per­so­nen zu schi­ka­nie­ren, die als ver­meint­li­che Zel­le­be­su­cher*innen oder -​mit­ar­bei­ter*innen iden­ti­fi­ziert wer­den, ist ein An­griff auf die Zelle. Und ein An­griff auf alle Be­su­cher*innen, Mit­ar­bei­ter*innen, Freund*innen und so­li­da­ri­sche Men­schen.

Das alles ist ein Un­ding, zu­recht wehrt sich die Zelle da­ge­gen und for­dert in einer Pe­ti­ti­on an den Land­tag, die Po­li­zei in die Schran­ken zu wei­sen. Zu­recht wird eine Kri­tik am Vor­ge­hen der Po­li­zei und deren Maß­nah­men for­mu­liert.

Siehe dazu auch:

http://kul­tur­schock-​zel­le.​de/​category/​news/​

https://​www.​openpetition.​de/​petition/​online/​stoppt-die-unverhaeltnismaes…

Wir so­li­da­ri­sie­ren uns mit der Zelle und den be­trof­fe­nen Per­so­nen. Sie haben unter dem Vor­ge­hen zu lei­den und ihnen ge­hört un­se­re Un­ter­stüt­zung. Wir un­ter­stüt­zen die For­de­run­gen der Zelle, die an den Land­tag ge­stellt wer­den. Die Zelle ist ein wich­ti­ger Raum für eman­zi­pa­to­ri­sche und an­ti­fa­schis­ti­sche Po­li­tik und Kul­tur und muss als sol­cher er­hal­ten blei­ben.

Wir wol­len über die Kri­tik der Zelle hin­aus eine grund­sätz­li­che­re Kri­tik auf ver­schie­de­nen Ebe­nen for­mu­lie­ren.

Die ak­tu­el­len Schi­ka­nen rei­hen sich in eine lange Liste von An­grif­fen ein. Die Po­li­zei ver­sucht, mal mehr, mal we­ni­ger er­folg­reich, der Zelle die Ver­an­stal­tun­gen durch Kon­trol­len und Ner­verei­en aller Art zu ver­mie­sen. Be­su­cher*innen sol­len ab­ge­schreckt wer­den, ein mög­lichst ne­ga­ti­ves Bild soll in der Öf­fent­lich­keit herr­schen. Nicht zu­letzt sol­len die Zel­le­ak­ti­ven vor wei­te­rer Mit­ar­beit ab­ge­schreckt wer­den.

In die selbe Kerbe schlägt das Ord­nungs­amt, wenn es der Zelle un­ter­stellt ein ge­winn­ori­en­tier­tes Un­ter­neh­men zu sein. Eben­so wie das An­se­hen als selbst­ver­wal­te­ter Kul­tur-​ und Po­li­tik­raum soll die An­er­ken­nung der Zelle als ge­mein­nüt­zi­ger Trä­ger un­ter­gra­ben wer­den.

Durch eine Nen­nung im Be­richt des ba­den-​würt­tem­ber­gi­schen In­lands-​Ge­heim­diens­tes soll die Zelle in Miss­kre­dit ge­bracht wer­den.

Das Ziel die­ser Schi­ka­nen ist die Zelle auf lange Sicht als selbst­ver­wal­te­tes Zen­trum und po­li­ti­schen Raum zu zer­stö­ren.

Diese Vor­ge­hens­wei­sen tref­fen nicht nur die Zelle. Auch an­de­re selbst­ver­wal­te­te und eman­zi­pa­to­ri­sche Räume wer­den auf diese und an­de­re Wei­sen an­ge­grif­fen. In Ba­den-​Würt­tem­berg wie auch bun­des­weit wer­den sol­che Räume immer wie­der be­droht. Ein bun­des­weit be­kann­te­res Bei­spiel ist die ak­tu­el­le Aus­ein­an­der­set­zung um die Rote Flora in Ham­burg.

Wir kön­nen fest­hal­ten: Die ak­tu­el­len Zu­mu­tun­gen sind ein Teil fort­wäh­ren­der An­grif­fe auf ver­schie­de­nen Ebe­nen gegen die Zelle und an­de­re au­to­no­me Räume.

Diese An­grif­fe gehen von Po­li­zei, Äm­tern und Be­hör­den auf Kreis-​, Lan­des-​ und Bun­des­ebe­ne aus.

Po­li­zei, Be­hör­den und Ver­wal­tung ver­die­nen nicht nur Kri­tik, wenn sie „un­se­re“ Räume oder Pro­jek­te an­grei­fen. Als der­je­ni­ge Teil der staat­li­chen Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur dem das Ge­walt­mo­no­pol zu­ge­spro­chen wurde, ist die Po­li­zei in ihrem Kern und aus ihrem Wesen her­aus ge­walt­tä­tig. Die­je­ni­gen Teile der Be­hör­den und Ver­wal­tun­gen die selbst kei­nen un­mit­tel­ba­ren phy­si­schen Zwang, also kör­per­li­che Ge­walt, aus­üben, sind eben­so wich­ti­ge Teile der Si­cher­heits­struk­tur des ka­pi­ta­lis­ti­schen Staa­tes und stüt­zen die­sen.

Täg­lich sind Men­schen, die als nicht-​deutsch bzw. nicht-​weiß mar­kiert wer­den, auf­grund des­sen ras­sis­ti­schen Pra­xen wie Fahr­kar­ten-​, Ta­schen-​, Ge­sichts-​ oder Per­so­nen­kon­trol­len aus­ge­setzt. Men­schen, die nicht den rich­ti­gen Fet­zen Plas­tik a.k.a. Aus­weis be­sit­zen, wer­den in La­gern zwangs­un­ter­ge­bracht, dür­fen nicht ar­bei­ten, er­hal­ten Sach­leis­tun­gen, also Es­sens­pa­ke­te und Klei­der­sets und wer­den in über­wie­gen­der Mehr­zahl ab­ge­scho­ben.

Auch die täg­li­che Lohnar­beit wird ge­nau­so wenig hin­ter­fragt wie die Au­to­ri­tät von Uni­for­men und die Le­gi­ti­mi­tät von Ge­rich­ten. Wer ein ei­ni­ger­ma­ßen wür­de­vol­les Leben füh­ren will muss einen be­trächt­li­chen Teil sei­ner Le­bens­zeit für einen an­de­ren Men­schen op­fern und ein Lohnar­beits­ver­hält­nis ein­ge­hen. Wäh­rend der Ar­beits­zeit muss die be­trof­fe­ne Per­son Wei­sun­gen der*des Ar­beit­ge­ber*in be­fol­gen, sonst ist das Ar­beits­ver­hält­nis schnell wie­der futsch. Man hat das Ge­fühl nur zu exis­tie­ren um durch die ei­ge­ne Ar­beits­kraft mög­lichst ef­fi­zi­ent etwas zu schaf­fen, was dann wie­der ver­wer­tet wird um somit Pro­fit zu er­rei­chen, von dem der*die Ar­bei­ter*in je­doch in den sel­tens­ten Fäl­len etwas hat. Und einen Groß­teil der so­ge­nann­ten Frei­zeit brin­gen wir dafür auf, am nächs­ten Tag wie­der fit für den Job zu sein. Auch ohne zu­sätz­li­che Schi­ka­nen ziem­lich un­schön.

Das Ei­gen­tum ist in den deut­schen Ge­set­zen ein über­aus hoch ge­schütz­tes Gut, ein Groß­teil der Straf­ge­set­ze be­zieht sich auf Ei­gen­tums­de­lik­te. Wer keine Lust hat sein*ihr täg­lich Brot mit Lohnar­beit zu er­gat­tern wird frü­her oder spä­ter ab­ge­stem­pelt oder/und kri­mi­na­li­siert. Sex­ar­bei­ter*innen, Schwarz­ar­bei­ter*innen, Dieb*innen, Fäl­scher*innen oder auch nur die all­täg­li­chen Schwarz­fah­rer*innen be­kom­men die Ge­walt des Staa­tes zu spü­ren. Ent­we­der durch emp­find­li­che Ein­schnit­te im oh­ne­hin schon knap­pen Bud­get, im schlimms­ten Fall durch Frei­heits­ent­zug, so­wie­so aber durch ner­ven­auf­rei­ben­de Strei­te­rei­en mit La­den­de­tek­tiv*innen, Po­li­zei, Staats­an­walt­schaft und Ge­rich­ten. Wer die Le­gi­ti­mi­tät sol­cher staat­li­cher Au­to­ri­tä­ten an­zwei­felt be­kommt noch mehr Zwangs­mit­tel auf­ge­brummt. Wer also ver­sucht sich der Ge­walt eines Lohnar­beits­ver­hält­nis­ses zu ent­zie­hen wird mit noch mehr Ge­walt kon­fron­tiert.

Ge­set­ze gel­ten mehr und sind wich­ti­ger als Men­schen­le­ben. Im Zwei­fels­fall kön­nen diese auch sehr fle­xi­bel aus­ge­legt wer­den. Ob durch eine Kugel, durch die Ver­ga­be von Brech­mit­teln, durch er­sti­cken wäh­rend des Ab­schie­be­flu­ges oder durch das Ver­bren­nen mit ge­fes­sel­ten Hän­den in einer Po­li­zei­zel­le, Arten zu Tode zu kom­men gibt es, in Obhut der Po­li­zei oder auch nur im Kon­takt mit die­ser, viele. In Er­in­ne­rung ge­ru­fen sei an die­ser Stel­le der bis­lang un­ge­klär­te Feu­er­tod Oury Jal­lohs in einer Po­li­zei­zel­le in Des­sau, ein neues Gut­ach­ten kommt zu dem Schluss dass die­ser, ent­ge­gen der of­fi­zi­el­len Ver­si­on, nicht selbst das Feuer hatte legen kön­nen. Manch­mal folgt ein me­dia­ler Auf­schrei, oft­mals nicht. Und das sind nur die Fälle, bei denen eine recht­mä­ßi­ge Um­set­zung der po­li­zei­li­chen Be­fug­nis­se zwei­fel­haft ist. Zwei­fels­frei recht­mä­ßig, auf dem Boden der gel­ten­den Ge­set­ze, han­deln die deut­sche Bun­des­po­li­zei oder die eu­ro­päi­sche Ab­schie­be­be­hör­de FRON­TEX wenn sie Men­schen im Meer er­trin­ken las­sen, deren Boote auf­rei­ben, um keine il­le­ga­li­sier­ten Ge­flüch­te­ten auf eu­ro­päi­schen Boden ge­lan­gen zu las­sen oder die Boots­be­sat­zun­gen auf kleins­ten In­seln aus­set­zen, ohne Trin­ken, ohne Nah­rung, ohne eine Mög­lich­keit Hilfe zu for­dern.

Diese ganze Schei­ße wird von der Po­li­zei ab­ge­si­chert. Wer schon ein­mal an einer De­mons­tra­ti­on, einem Pro­test, einem Streik oder einer di­rek­ten Ak­ti­on teil­ge­nom­men hat, weiß für und gegen was die Po­li­zei ein­ge­setzt wird.

Die Po­li­zei ist das Rück­grat einer men­schen­ver­ach­ten­den Si­cher­heits­ar­chi­tek­tur. Eine Ar­chi­tek­tur, die vor allem die Ab­si­che­rung der Herr­schaft und der herr­schen­den Zu­stän­de zum Ziel hat, sowie die Auf­recht­er­hal­tung eines auf Wa­ren­pro­duk­ti­on und Ma­xi­mal­pro­fit aus­ge­leg­ten öko­no­mi­schen Sys­tems der Wert­ver­wer­tung. Alle mensch­li­chen Be­dürf­nis­se, Re­gun­gen, Hand­lun­gen und Ak­ti­vi­tä­ten sind die­sen Zie­len, Ab­si­che­rung des Sta­tus Quo und Pro­duk­ti­on von Mehr­wert, un­ter­zu­ord­nen. Wenn es sein muss ge­kauft mit Men­schen­le­ben. Das ist die Auf­ga­be der Po­li­zei.

Aus die­ser Per­spek­ti­ve her­aus kri­ti­sie­ren wir die Po­li­zei. Nicht weil ein­zel­ne Beamt*innen mal über die Strän­ge schla­gen oder ein­zel­ne Ak­tio­nen als un­ver­hält­nis­mä­ßig wahr­ge­nom­men wer­den. Son­dern weil die Po­li­zei ein men­schen­ver­ach­ten­des Sys­tem, einen men­schen­ver­ach­ten­den Staat schützt und ab­si­chert.

Dass die Po­li­zei in der ge­gen­wär­ti­gen Ge­sell­schaft nicht weg zu den­ken ist, ist uns klar. Viel­mehr ist sie zwin­gend nötig, da eine Ge­sell­schaft wie die heu­ti­ge, wel­che auf Aus­beu­tung, Un­ter­drü­ckung und Dis­kri­mi­nie­rung auf­ge­baut ist, gar nicht aus­kom­men würde, ohne eine Or­ga­ni­sa­ti­on die Un­ru­hen nie­der­schlägt, Men­schen ver­folgt, wel­che sich nicht an­ge­mes­sen in den All­tag ein­glie­dern oder auf Grund ihrer Her­kunft nicht hier sein dür­fen. So eine Ge­sell­schaft braucht eine Po­li­zei, die die Ge­set­ze, kos­tet es was es wolle, durch­setzt, sich dabei je­doch selbst oft nicht an diese hält. Wir hin­ge­gen stre­ben eine Ge­sell­schaft an, die mög­lichst frei von Dis­kri­mi­nie­rung, der Ab­hän­gig­keit von Geld und Her­kunft ist. So eine be­frei­te Ge­sell­schaft, eine As­so­zia­ti­on frei­er In­di­vi­du­en braucht keine Po­li­zei, viel­mehr: die Po­li­zei und alle ver­wand­ten In­sti­tu­tio­nen sind die größ­te Be­dro­hung der mensch­li­chen Ge­sell­schaft.

PO­LI­ZEI RA­DI­KAL KRI­TI­SIE­REN!

Für eine Ge­sell­schaft jen­seits von Dis­kri­mi­nie­rung und Ge­walt.

*[ART]* – An­ti­fa Reut­lin­gen-​Tü­bin­gen