Hintergrund: Lasalle-Kreis
Der Lasalle-Kreis (bisher: „Arbeitskreis sozialdemokratischer Korporierter“) wurde im Juni 2006 als außerparteilicher Kreis von korporierten SPD-Mitgliedern gegründet. Nach eigenen Angaben gehören ihm 150 Mitglieder an, mit Schwerpunkten in Berlin, Bonn und Göttingen. Der Lasalle-Kreis bezieht sich positiv auf das Wartburgfest von 1817, bei dem es zu antisemitisch motivierten Bücherverbrennungen kam und der Kreis verhält sich gegenüber Kritik an dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ bzw. dessen dominierender Fraktion, der extrem rechten „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ apologetisch.
Dem Lasalle-Kreis bzw. dessen Umfeld gehören mehrere rechte Sozialdemokraten mit verbindungsstudentischen background an:
* Prof. Dr. Friedhelm Farthmann
Fahrtmann war von 1975 bis 1985 Landesminister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in NRW, er war von 1985 bis 1995 Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in NRW, er war Chef des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts des DGB und ist Abgeordneter und SPD-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag.
Fahrtmann war mehrmaliger Interviewpartner der stramm rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“, des revanchistischen „Ostpreußenblatt“ und des rechtslastigen „Deutschland-Magazins“.
Fahrtmann ist ein „Alter Herr“ (Mitglied nach dem Studium) in der Königsberger Burschenschaft Gothia zu Göttingen und war Referent bei der Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn und Festredner beim „Mauerfallkommers“ am 2. Oktober 2005 aus Anlass des 15. Jahrestages des 3. Oktober 1990. Überdies ist Farthmann Mitglied im Kuratorium des rechtsklerikalen „Forum Deutscher Katholiken“.
Fahrtmann machte in Vergangenheit durch Hetze gegen Asylbewerber und Einwanderer auf sich aufmerksam:
„An Kopf und Kragen packen, kurzen Prozess machen und raus damit!“
(Friedhelm Farthmann über den Umgang mit Asylbewerbern)
„Eine multikulturelle Gesellschaft führt zu gesellschaftlichen Disharmonien, Egoismus bis hin zum Gruppenhass […] Diese Phänomene sind überall dort zu beobachten, wo es multikulturelle Gesellschaften gibt. Ich bin gegen eine solche Entwicklung, egal ob sie mit dem Argument multikulturelle Gesellschaft, Aufrechterhaltung unserer Wirtschaft und der Sozialsysteme oder mit humanitären Aspekten begründet wird. Jede Zuwanderung bedeutet noch mehr Energieverbrauch, …“
(Friedhelm Farthmann, laut „Frankfurter Rundschau“, 16.04.1992, Seite 2)
* Dr. Dieter Haack
Haack ist parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, war ehemaliger Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau (1978 – 1982) und ist stellvertretender Landesvorsitzender der SPD in Bayern.
Er ist Mitglied der Burschenschaft der Bubenreuther zu Erlangen (Dachverband: Neue Deutsche Burschenschaft) und war 1988 bis 1992 Präsident des nationalistischen „Kuratoriums Unteilbares Deutschland“. Zudem ist er Synodalpräsident der evangelischen Kirche in Bayern.
* Johannes Kahrs
Kahrs ist Hamburger Bundestagsabgeordneter und Sprecher des konservativen Seeheimer-Kreises innerhalb der SPD. Kahrs ist ein „Alter Herr“ des Wingolf und war sogar ein Verbandssprecher dieses korporationsstudentischen Dachverbandes.
Er Mitglied des Präsidiums des „Förderkreis Deutsches Heer e.V.“ (Bonn) und stellvertretendes Mitglied des Kuratoriums der Otto-von-Bismarck-Stiftung (Friedrichsruh), in der sich u.a. auch der CDU-Rechtsaußen Fürst Ferdinand von Bismarck im Kuratorium engagiert.