Der Kopp-Verlag: Quatsch mit brauner Soße!
Der Kopp-Verlag in Rottenburg wurde 1994 von dem ehemaligen Polizisten Jochen Kopp aus Wurmlingen gegründet. Von einem kleinen UfO-Verlag hat er sich über die Jahre zu einem größeren mittelständischen Unternehmen entwickelt, samt Online-Newsportal, Wochenmagazin und eigener DVD-Reihe. Der Kopp-Verlag hatte nach eigenen Angaben 2016 etwa 700.000 regelmäßige Kund*innen.
Es handelt sich damit um einen Verlag, der in die Mitte der Gesellschaft hineinwirkt. Das ist gefährlich, denn der Kopp-Verlag vertreibt und publiziert neben eher unpolitischen Büchern wie „Verschlusssache Antigravitationsantrieb“ oder „Penis-Power“ ein großes Segment von Büchern, DVDs und Artikeln mit eindeutig rechtspopulistischen Inhalt.

Das Geschäft mit dem Rechtspopulismus
Neben Ufo-Literatur, Esoterik, Verschwörungsmythen und problematischen Alternativ-Theorien im Bereich Medizin bietet der Kopp-Verlag seit Jahren auch Bücher mit rechten Inhalten an. Der Verlag ist daher auch das „Leitmedium der Flüchtlingsfeinde und Verschwörungstheoretiker“, wie ein kritischer Journalist analysierte. Er versorgt den derzeit stattfindenden Rechtsruck in der Gesellschaft mit Literatur, Videos und Online-Artikeln.
Stamm-AutorInnen wie Udo Ulfkotte bringen am laufenden Band rassistische Bücher, heraus. Ulfkottes Werke tragen Titel wie „Albtraum Zuwanderung. Lügen, Wortbruch, Volksverdummung“ (2011), „Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung“ (2015), „Die Asylindustrie. Wie Politiker, Journalisten und Sozialverbände von der Flüchtlingswelle profitieren“ (2015) oder „Grenzenlos kriminell. Was uns Politik und Massenmedien über die Straftaten von Migranten verschweigen“ (2016). Die Auflage der Ulfkotte-Bücher bei Kopp dürfte insgesamt in die Hunderttausenden gehen. Teilweise tauchen sie auch in der Spiegel-Bestsellerliste auf. Ironischerweise in der Kategorie ‚Sachbuch‘.
Dass Ulfkotte im Januar 2015 auch bei PEGIDA in Dresden auftrat, verwundert in anbetracht solcher Bücher kaum. Sein Buch „Gekaufte Journalisten. Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken“ (2014) liest sich wie die vorweg genommene Begründung der PEGIDA-Parole von der „Lügenpresse“.
Neben Rassismus macht der Kopp-Verlag auch Kasse mit Homophobie, Antfeminismus, Antikommunismus, Israelhass und Antiamerikanismus.

Hetze und Angst-Verstärkung statt rationaler Analyse

Die rechten AutorInnen des Kopp-Verlag sind eine Ansammlung von diversen Reaktionären und RassistInnen, die vor allem mit der Pluralisierung und der stärkeren Öffnung der Gesellschaft und dem Selfempowerment von Minderheiten ein Problem haben. Sie sind unzufrieden mit dem Wandel zu einer Einwanderungsgesellschaft, dem offeneren Auftreten von sexuellen Minderheiten (LSBTTIQ*) und mit Frauen*, die als Feministinnen selbstbewusst für ihre Rechte eintreten. Die Kopp-Kundschaft in Bezug auf das rechtspopulistische Angebot dürfte wie auch die AfD-Wählerschaft mehrheitlich aus Männern der Mittelschicht bestehen, die um ihre bisherigen heterosexuellen, staatsbürgerlichen und weißen Privilegien fürchten. Während die AfD wahlweise ‚die‘ Flüchtlinge, ‚den‘ Feminismus oder ‚die‘ Muslime als Sündenböcke ausgemacht hat, findet sich derartige Hetze beim Kopp-Verlag zumeist im Mantel einer Verschwörungs‘theorie‘. Verursacher von sogenanntem Werteverfall und mehr oder weniger allem Schlechten auf dieser Erde sind ihrer Meinung nach einzelne Gruppen (die Linken, die Rothschilds, die Freimaurer, die Homo-Lobby, Außerirdische etc.) oder einzelne Staaten (USA, Israel).
Der Kopp-Verlag bietet keine rationale, d.h. ökonomie- oder herrschaftskritische, Problemanalyse an, sondern befeuert nur Krisenängste und die Spaltung der Gesellschaft. Er ist Profiteur und Verstärker des derzeitigen gesellschaftlichen Rechtsrucks. Die Bücher im Kopp-Verlag bedienen und verstärken die Ängste der rassistischen WutbürgerInnen.

Verankerung vor Ort: Der Kopp-Verlag in Rottenburg

Der Kopp-Verlag ist in Rottenburg bestens verankert. Seine Ansiedlung ist grundsätzlich gerne gesehen. Sowohl die Mehreinnahmen über die Gewerbesteuer, als auch die Beschäftigung von rund 80 Mitarbeiter*innen haben lange für einen Rückhalt für den rechtspopulistischen Verlag gesorgt. Überdies sponserte der Kopp-Verlag 2007 bis 2013 und wieder seit Ende 2015 die Volleyball-Mannschaft des Turnvereins Rottenburg 1861.
Als einsamer Rufer in der Wüste kritisierten der Rottenburger Stadtrat Albrecht Bodenmiller und sein Kollege Emanuel Peter jahrelang die Duldung und Unterstützung des Kopp-Verlags durch die Stadt. Im Jahr 2011 wurde dem Verlag beispielsweise per Stadtratsmehrheit problemlos ein Neubau für sechs Millionen Euro im Gewerbegebiet „Siebenlinden III“ genehmigt.
Für seine engagierte Kritik wurde besonders der Stadtrat Bodenmiller heftig von seinen Rats-Kolleg*innen und Anderen attackiert. Gleichzeitig wurde Bodenmillers Adresse von Ulfkotte veröffentlicht, worauf bei diesem Drohungen und Hassbotschaften eingingen.
Erst als im Oktober 2015 bei Kopp-Online ein rassistischer Artikel mit der Überschrift „Invasion: Flüchtlingswelle ist der Verteidigungsfall“ aus der Feder des Kopp-Autoren Gerhard Wisnewski erschien, entschlossen sich auch andere in Rottenburg zur Kritik. Die SPD-Fraktion in Rottenburg skandalisierte den Artikel und der Rottenburger OB Stephan Neher schloss sich der Kritik an. Jahrelang hatte er den Kopp-Verlag tendenziell verteidigt und dessen Inhalte eher verharmlost.

Fazit: Der Kopp-Verlag als Verlag der rechten Mitte
Neben der Herausgabe von Büchern veranstaltet der Kopp-Verlag auch eigene Kongresse und Vorträge. Diese dürften recht einträglich sein, da die Karten teuer sind und hunderte diese Veranstaltungen besuchen. Die nächste Großveranstaltung des Kopp-Verlags soll am 1. und 2. Oktober in Stuttgart stattfinden. Angekündigt sind als Referenten u.a. der antiamerikanische Verschwörungsideologe Andreas von Bülow, der Impf-Gegner Hans Tolzin und die rassistischen Autoren Udo Ulfkotte und Gerhard Wisnewski. Eine Karte kostet stolze 150 Euro. Der Kartenpreis zeigt ebenfalls, dass der Kopp-Verlag sich vor allem an die Mittelschicht wendet. Verlustängste und Privilegienverteidigung mischen sich hier mit Rassismus und anderen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.
Der Kopp-Verlag ist kein neonazistischer Kleinst-Verlag, sondern ein großer Verlag mit rechtspopulistischen Lektüre-Angebot im Programm. Er bedient damit vor allem die rechte Mitte der Gesellschaft. Damit ist er gefährlicher als z.B. der „Deutsche Stimme“-Verlag der NPD, weil seine Reichweite weitaus größer ist. Jedes Jahr erscheinen bei Kopp 50 neue Bücher und jeden Tag werden zwischen 10.000 und 25.000 Bücher verschickt.
Sein in Teilen kurios anmutendes Misch-Programm darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Kopp-Verlag derzeit der größte rechte Verlag in der Bundesrepublik ist. Kritik an seinem Verlagsstandort Rottenburg war bisher eher verhalten. Es wird Zeit dass sie deutlicher vernehmbar wird!