Nazis im Landkreis Sigmaringen – na so was, aber auch!

Heute will die NPD im Kreis Sigmaringen ein Sommerfest abhalten. Der Ort ist von der NPD nicht unklug gewählt. Hier gibt es keine organisierten Antifaschistinnen und Antifaschisten und im eher ländlichen Raum ist die zivilgesellschaftliche Gegenwehr kleiner und sind die Sympathien und das Desinteresse größer.
Eine extrem rechte Veranstaltung wie das Sommerfest des NPD-Landesverbandes ist auch nicht unbedingt eine Ausnahme. Hierzu Beispiele rechter Vorkommnisse im Landkreis in den letzten Jahren:
2007 fanden im Vereinsheim des „Uncommon Ghost MC“ in Krauchenwies zwei Rechtsrockkonzerte statt, an denen jeweils bis zu 240 Nazis teilnahmen.
Am 28. März 2009 provozierten bei einem Konzert im Club Mojito in Sigmaringen ungefähr 15 Neonazis die Anwesenden. Bei einer darauf folgenden Auseinandersetzung setzten die Nazis Pfefferspray ein und riefen die Polizei, die das Konzert daraufhin abgebrochen hat.
Am 23. August 2010 wurde in Sigmaringen der Bezirksverband Tübingen der homopoben und christlich-fundamentalistischen „Partei bibeltreuer Christen“ gegründet.
Am 30. April 2011 fand im Haus am Riedbaum (Soldatenheim), in Sigmaringen, ein Arbeitstreffen der Gruppe Südwürttemberg der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ statt.

Nicht uninteressant ist auch die Geschichte Sigmaringens und wie sie in der Gegenwart wurzelt. Etwa Anfang September 1944 bezog der greise Petain, nomineller Anführer des mit den Nationalsozialisten kollaborierenden französischen Vichy-Regimes, sein letztes Hauptquartier im Schloss von Sigmaringen. Mit im führte er seine letzten Anhänger. Etwa 4.000 Vichy-Franzosen kamen damals gegen Kriegsende in Sigmaringen unter.
Mit dem sich seit November 1944 auf Sendung befindlichen Radiosender „Ici la France“ und der vom 26. Oktober 1944 bis 21. April erscheinenden Exil-Zeitung „La France“ versuchten die Reste des Vichy-Regimes die Franzosen zum Widerstand gegen die alliierten Befreier aufzuhetzen.
1945 verließen die letzten Vichy-Anhänger dann Sigmaringen und die Stadt wurde dann von Truppen des freien Frankreich befreit.
Zurück blieb das Grab des am 22. Februar 1945 bei einem Unfall getötete französischen Kollaborateurs Doriots in Mengen bei Sigmaringen. Doriot war ein bekannter französischer Faschist. Nach unbestätigten Angaben soll sein Grab heute noch als kleiner Wallfahrtsort für französische Rechtsradikale dienen, die dort Blumen oder Flugblätter niederlegen sollen.
Auch nach 1945 lebt der Faschismus weiter. Eines seiner Gesichter ist die NPD, die zwar zum Teil bürgerlich auftritt, sich im Kern aber am Nationalsozialismus orientiert. Wenn der NPD-Chef Vogt vom „Reich“ träumt, wenn ein NPD-Fraktionschef gegen die „Judenrepublik“ wettert und wenn die Anhängerschaft von einem „nationalen Sozialismus“ träumt, dann ist klar erkennbar, was die NPD will: Ein Viertes Reich!
all diese rechten umtriebe hier in der Umgebung bestätigen
Die NPD und ihr Umfeld propagieren eine offen menschenverachtende Hass-Ideologie. Ein Ausbleiben von Gegenprotesten wäre eine Akzeptanz dieser Ideologie und würde eine Normalisierung einleiten. Wohin so etwas führt sieht man in zahlreichen Kommunen, besonders in Ostdeutschland wo es gang und gäbe ist, dass Menschen aufgrund ihrer Herkunft angegriffen und verprügelt werden.
Überhaupt sind Nazi-Feiern nichts Harmloses. Dies zeigt eine private Nazi-Feier, die sich vor wenigen Monaten in Winterbach im Rems-Murr-Kreis zu einem rassistischen Pogrom entwickelte, welches fünf Menschen fast das Leben kostete.
Von Nazis geht eine massive Gefahr aus die wir nicht stillschweigend hinnehmen können.
Das alles zeigt eins: Antifaschistische Organisation und Gegenwehr vor Ort sind auch im Kreis Sigmaringen bitter notwendig. Wir hoffen das sich in Sigmaringen antifaschistische Strukturen wieder herausbilden können, vielleicht gibt es ja unter den Zuhörerinnen und Zuhörern aus Sigmaringen einige, die dieses neuerliche Auftreten von Neonazis im Kreis zum Anlass dafür nehmen.