Griechenland-bashing oder über den ganz „normalen“ Nationalismus in Deutschland

Es ist uns wichtig am deutschen Nationalfeiertag auch eine grundsätzliche Kritik am deutschen Nationalismus jenseits von der NPD zu äußern.
Ein anschauliches Beispiel für Nationalismus in allen Schichten und Bereichen der Gesellschaft bietet die aktuelle Griechenland- und Eurokrise. Hier lässt sich ein chauvinistischer Standortnationalismus sowohl bei den Regierenden, als auch bei den Regierten und in den Medien feststellen.
Seit Beginn der Griechenland- und Eurokrise im letzten Jahr macht die chauvinistische Klage die Runde, „man sei ja nicht der Zahlmeister Europas“.
Konsequent ignoriert wird dabei das deutsche Firmen zuerst den griechischen Markt niederkonkurriert haben und der deutsche Staat bzw. die hiesigen Banken über Kredite gut an der Verschuldung Griechenlands verdienen. Auch der normale Handel mit Griechenland lohnte sich für den Standort Deutschland. So brachte der Handel mit Griechenland Deutschland in den vergangenen drei Jahren ein Plus von 17 Milliarden Euro ein. Allein 13 Prozent aller deutschen Waffenexporte gehen nach Griechenland; etwa 15 Prozent in die Türkei.
Trotzdem wird allerorten über Griechenland und „die Griechen“ gewettert. Längst nicht nur die Rechtspopulisten von der FPÖ schimpfen über die „Pleite-Griechen“ und fordern „Unser Geld, für unsere Leut!“, wie es auf einem FPÖ-Plakat heißt.
Auch die Mainstreammedien beteiligen sich an der Hetze gegen die als „faul“ und „betrügerisch“ gescholtenen Griechen. Vorne dran: die BILD. Die BILD strickt aus den Ereignissen und um das Thema herum eine Geschichte, die Geschichte von den „faulen“ und „betrügerischen“ Griechen, die an das Geld des deutschen Steuerzahlers wollen.
Unverkennbar schimmert in der Hetze gegen „die Griechen“ das rassistische Klischee vom „faulen Südländer“ durch. Kurz noch an dieser Stelle angemerkt sei, dass wir Faulheit in einer Zeit von Selbstausbeutung und Arbeitsfetisch, leider auch in Teilen der Linken, grundsätzlich sehr schätzen.
Natürlich stimmte auch die NPD in den allgemeinen Chor mit ein. Aber ihre Stimme unterschied sich nicht erkennbar von denen der Anderen.
In Online-Umfragen und Leserbrief äußerte auch der deutsche Normalbürger viel Zustimmung für den rechten Populismus in Medien wie der BILD. Auch in Deutschland lebende Auslands-Griechen und ihre Familien berichten von zunehmenden Feindseligkeiten und Überheblichkeiten ihnen gegenüber.

Was hier niemand überraschen dürfte: Auch die deutsche Regierung verhält sich chauvinistisch gegenüber Griechenland. Bereits am Anfang der Krise forderte Angela Merkel:
„Es muss künftig möglich sein, einem Land, das seine Verpflichtungen nicht einhält, zumindest vorübergehend das Stimmrecht zu entziehen.“
Damit spielt Merkel die Karte der ambitionierten Großmachtpolitik innerhalb der EU.

Die vermutlich widerwärtigste Überschrift produzierte die BILD, als sie schrieb: „Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen … und die Akropolis gleich mit“.
Was aber in Wahrheit gepfändet und verkauft werden müsste sind deutsche Besitztümer in Griechenland. Deutschland weigert sich nämlich bis heute beharrlich die Überlebenden von Wehrmachts-Massakern zu entschädigen. Deswegen fordern die Überlebenden inzwischen die Beschlagnahme und Zwangsversteigerung von Eigentum des deutschen Staates in Griechenland.
Eine Forderung, die wir nachdrücklich unterstützen!

Erkennbar findet sich jedenfalls unten wie oben ein starker deutscher Standortnationalismus und Wohlstandschauvinismus, der sich nach Außen gegen ganze Staaten und im Inneren gegen soziale, sexuelle, religiöse und migrantische Minderheiten richtet.