Am Sams­tag, den 05.​04.​2014, wer­den sich be­reits zum drit­ten Mal „Be­sorg­te El­tern“ in Stutt­gart ver­sam­meln.

Unter dem Motto „El­tern­recht wah­ren! – Stoppt Gen­der-​Ideo­lo­gie und Se­xua­li­sie­rung un­se­rer Kin­der per Bil­dungs­plan“ wol­len sie ab 15 Uhr eine Kund­ge­bung mit an­schlie­ßen­der De­mons­tra­ti­on auf dem Markt­platz ab­hal­ten.
Ver­an­stal­ter*in der Ak­ti­on ist das „Ak­ti­ons­bünd­nis El­tern­recht wah­ren “, wobei die Or­ga­ni­sa­ti­on wie schon beim letz­ten Mal haupt­säch­lich von der „In­itia­ti­ve Schützt un­se­re Kin­der“ und neu­er­dings noch von der Afd-​na­hen(1) „In­itia­ti­ve Fa­mi­li­en­schutz“ über­nom­men wird.

Neuer Bil­dungs­plan für Ba­den-​Würt­tem­berg

Die De­mons­tra­ti­on rich­tet sich gegen die Bil­dungs­plan­re­form der rot-​grü­nen Lan­des­re­gie­rung für 2015, da diese die „Ak­zep­tanz se­xu­el­ler Viel­falt“ als Leit­bild ein­füh­ren will.
So sol­len sich die Schü­ler*innen laut die­ser Re­form bei­spiels­wei­se „mit der ei­ge­nen ge­schlecht­li­chen Iden­ti­tät und Ori­en­tie­rung aus­ein­an­der “(2) set­zen, neben der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie auch an­de­re Kon­zep­te wie Patch­work­fa­mi­li­en, Wahl­fa­mi­li­en und „die ver­schie­de­nen For­men des
Zu­sam­men­le­bens von/mit LSBT­TI-​Men­schen “(2) ken­nen ler­nen und die Dar­stel­lung von Ge­schlech­ter­rol­len re­flek­tie­ren. (LSBT­TI steht üb­ri­gens für les­bisch, schwul, bi­se­xu­ell, trans­se­xu­ell, trans­gen­der und in­terse­xu­ell)

Ob die Lan­des­re­gie­rung diese Re­form nur auf­ge­setzt hat, um Wäh­ler*in­nen­stim­men zu sam­meln, oder ob sie es ernst mit die­sem Thema meint, kön­nen wir na­tür­lich nicht wis­sen.
Für uns ist je­den­falls klar, dass es nicht ge­nü­gen kann, wenn Kin­der sich nur in der Schu­le mit Ge­schlech­ter­rol­len und dem ei­ge­nen Ver­hal­ten aus­ein­an­der set­zen. Um einen wirk­li­chen Um­gang mit die­sem Thema zu er­rei­chen, ist eine grö­ße­re ge­sell­schaft­li­che Ver­än­de­rung nötig als eine Bil­dungs­plan­re­form.
Trotz­dem fän­den wir es na­tür­lich gut, wenn in der Schu­le end­lich nicht mehr so getan würde, als wäre alles, was von He­te­ro­se­xua­li­tät und der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie ab­weicht, nicht nor­mal.
So lange wir je­doch im Pa­tri­ar­chat leben, wird es keine ernst zu neh­men­den Ver­än­de­run­gen geben!

Kri­tik am Bil­dungs­plan

Ge­ra­de in kon­ser­va­ti­ven, fun­da­men­ta­lis­ti­schen und sonst ho­mo­pho­ben Krei­sen regt sich Kri­tik am Bil­dungs­plan. Sie fürch­ten eine „Früh­se­xu­al­li­sie­rung“(3) ihrer Kin­der. Wo diese je­doch im neuen Bil­dungs­plan ver­an­kert sein soll, kön­nen wir nicht er­ken­nen. Dass Ju­gend­li­che ihre Ge­schlech­ter­rol­len und He­te­ro­nor­ma­ti­vi­tät hin­ter­fra­gen sol­len, hat für uns nichts mit „Se­xu­al­li­sie­rung“ zu tun!
Die „Be­sorg­ten El­tern“ emp­fin­den es als „Zwangs­in­dok­tri­na­ti­on ihrer Kin­der“, wenn ihnen nicht mehr bei­ge­bracht wer­den soll, dass es nur Män­ner, Frau­en und He­te­ro­se­xua­li­tät geben soll.
Es scheint als hät­ten sie Angst davor, dass ihre Kin­der ho­mo­se­xu­ell wer­den könn­ten. Aber warum!?
Uns kotzt es an, dass wir größ­ten­teils zu he­te­ro­se­xu­el­len Män­nern und Frau­en er­zo­gen wur­den und dazu nicht ein­mal Al­ter­na­ti­ven ge­nannt wur­den!

Schützt un­se­re Kin­der!?

Für die Geg­ner*innen des Bil­dungs­plans scheint es un­vor­stell­bar, dass die tra­di­tio­nel­le Fa­mi­lie nicht mehr als die ein­zig wahre Mög­lich­keit von Zu­sam­men­le­ben ge­pre­digt wer­den soll.
Die „In­itia­ti­ve Fa­mi­li­en­schutz“ will sich für die „Stär­kung der Fa­mi­lie in Deutsch­land ein­set­zen“ und hofft, dass „wie­der mehr Kin­der in fa­mi­liä­rer Ge­bor­gen­heit auf­wach­sen kön­nen“.(4)
Na­tür­lich braucht jeder Mensch Ge­bor­gen­heit und Be­zugs­per­so­nen und Kin­der ins­be­son­de­re. Wir den­ken je­doch, dass das au­ßer­halb der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie ge­nau­so gut funk­tio­nie­ren kann. Au­ßer­dem ver­ges­sen die selbst­er­nann­ten Kin­der­schüt­zer*innen, dass die tra­di­tio­nel­le Fa­mi­lie für viele alles an­de­re als Ge­bor­gen­heit be­deu­tet. Ge­ra­de Kin­der sind neben Frau­en sehr oft von in­ner­fa­mi­liä­rer Ge­walt be­trof­fen. Laut einer Kri­mi­nal­sta­tis­tik aus dem Jahr 2011, kam es Deutsch­land weit zu „12.​444 Fälle des se­xu­el­len Miss­brauchs von Kin­dern“. „Bei nur 6 % aller „Nicht­tö­tungs­fäl­le“ han­delt es sich [bei dem Täter] um einen Frem­den“, und „Es han­delt sich hier­bei in der Regel um Fa­mi­li­en­mit­glie­der, Haus­mit­be­woh­ner, Nach­barn, Freun­de der El­tern oder Au­to­ri­täts­per­so­nen wie z. B. Leh­rer oder Pfar­rer.“(5) Laut einer Stu­die aus dem Jahr 2004 gaben 69% aller Frau­en, die in Deutsch­land von se­xu­el­ler Ge­walt be­trof­fen waren, als Tat­ort die ei­ge­ne Woh­nung an.(6) Also doch nicht die volle Ge­bor­gen­heit!

Was Kin­der­schutz mit Homo – und Trans­pho­bie zu tun haben soll, kön­nen wir auch in keins­ter Weiße ver­ste­hen.
So ant­wor­te­te die „In­itia­ti­ve Schützt un­se­re Kin­der“ auf die Fra­gen, ob sie ho­mo­phob und in­to­le­rant sein damit, dass sie nichts gegen Ho­mo­se­xu­el­le hät­ten, „Aber sie sol­len ihre Aus­rich­tung an­de­ren nicht als etwas Nor­ma­les oder gar nicht zu Kri­ti­sie­ren­des vor­set­zen.“(7)
Es ist je­doch ho­mo­phob, Ho­mo­se­xua­li­tät als nicht nor­mal zu be­zeich­nen!
Des wei­te­ren ver­link­te die In­itia­ti­ve einen Ar­ti­kel, in wel­chem es als „ab­sur­de For­de­rung“ be­zeich­net wird „das Ehe­ge­setz ho­mo­se­xu­el­len Paa­ren zu öff­nen“.(8)

Demo für Alle

Die „In­itia­ti­ve Schützt un­se­re Kin­der“ be­zeich­net ihre Demo als eine „Demo für alle“.
In der Er­klä­rung dazu heißt es: „Alle nor­ma­len Fa­mi­li­en, alle Be­für­wor­ter der Selbst­ver­ständ­lich­keit der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie, wie sie seit tau­sen­den von Jah­ren selbst in den ver­schie­dens­ten Kul­tu­ren ge­lebt wird, müs­sen sich hier­für zu­sam­men­schlie­ßen. Re­li­giö­se, kon­fes­sio­nel­le und na­tio­na­le Kon­flik­te müs­sen hint­an­ste­hen.“(9)
Auf­ge­for­dert wer­den „An­hän­ger aller Re­li­gio­nen, Kon­fes­sio­nen, po­li­ti­schen Ein­stel­lun­gen und Wer­te­sys­te­me, so­weit sie die Gen­der-​Main­strea­ming-​Ideo­lo­gie ab­leh­nen und die Zer­stö­rung der Fa­mi­lie auf­hal­ten.“(9)
Was das mit einer „Demo für alle“ zu tun hat ist uns ein Rät­sel! Denn alle Men­schen, die nicht in das Bild der tra­di­tio­nel­len Fa­mi­lie pas­sen, die Ge­schlech­ter­rol­len hin­ter­fra­gen und nicht he­te­ro­se­xu­ell sind wer­den aus­ge­schlos­sen!

Für eine Ge­sell­schaft jen­seits von Pa­tri­ar­chat, Homo – und Trans­pho­bie

Wenn El­tern Angst haben, ihre Kin­der könn­ten ho­mo­se­xu­ell wer­den, wenn sich fun­da­men­ta­lis­ti­sche Christ*innen, NPD, PI-​News und AfD zu­sam­men­schlie­ßen, wenn Ho­mo­se­xua­li­tät zur Sünde er­klärt wird(10), dann wol­len wir nicht ta­ten­los zu­se­hen! Wir wer­den wie­der nach Stutt­gart fah­ren!
Auf­grund der Er­fah­run­gen vom letz­ten Mal(11), wäre es je­doch sinn­voll mit dem Auto zu fah­ren.
Alle, denen das nicht mög­lich ist, laden wir dazu ein mit uns ge­mein­sam mit dem Zug an­zu­rei­sen.

Zug­treff­punk­te
Tü­bin­gen Hbf | 13:20 Uhr
Reut­lin­gen Hbf | 13:30 Uhr

Fein­de der Liebe müs­sen end­lich mal klar kom­men!

*[ART]* – An­ti­fa Reut­lin­gen Tü­bin­gen

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(1) „http://​www.​queer.​de/​detail.​php?​article_​id=21249“
(2) „http://​www.​kultuspor­tal-​bw.​de/​site/​pbs-bw/​get/​documents/​KULTUS.​Dachmandant/​KULTUS/​kultusportal-bw/​Bildungsplanreform/​Arbeitspapier_​Leitprinzipien.​pdf“
(3) zu­kunft-​fa­mi­lie.​org/​ueber-uns/​
(4)fa­mi­li­en-​schutz.​de/​eine-seite/​
(5) http://​www.​missbrauch-​op­fer­rat­ge­ber.​de/​zahlen-und-fakten.​html
(6) https://​www.​frauen-​ge­gen-​ge­walt.​de/​tl_​files/​downloads/​sonstiges/​Streitsache_​Sexualdelikte_​Zahlen_​und_​Fakten_​b.​pdf
(7) http://zu­kunft-​fa­mi­lie.​org/​fragen-an-uns/​
(8) http://kul­tur-​und-​me­di­en-​on­line.​blogspot.​de/​2014/​03/​manuela-schwesig-wettert-gegen-gegner.​html
(9) http://zu­kunft-​fa­mi­lie.​org/​demo-fuer-alle/​
(10) http://​www.​queer.​de/​publisher/​pics/​Stgt-Demo-Akzeptanz-a-470.​jpg
(11) http://​www.​tueinfo.​org/​cms/​node/​21789