Wir wollen in diesen Zeiten der Winterlichkeit einmal daran erinnern, dass nicht alle Menschen in der Bundesrepublik eine fröhliche Weihnachtszeit verbringen. Stellen Sie sich einmal vor, sie würden pro Monat nur 138 Euro an Bargeld zur Verfügung haben, sie dürften nicht arbeiten oder dürfen nur auf einer (begrenzten) Liste auswählen, was sie essen möchten.
Über all diesen Einschränkungen schwebt noch der dunkle Schatten der Gefahr von der Polizei mit Gewalt verschleppt zu werden (zurück) in ein Land, was einem fremd geworden ist, wo Krieg herrscht oder Hunger und Armut.
Dass alles ist das Schicksal eines Flüchtlings in Deutschland. Flüchtlinge werden hier wie Menschen zweiter Klasse behandelt. Zumindest wenn sie/er überhaupt die zur Festung hochgerüstete Europäische Union erreicht. Denn tausende starben bisher auf den Weg nach Europa an den (unsichtbaren) Mauern der ‚Festung Europa‘. Dabei waren Europas koloniale Vergangenheit und sein aktuelles kapitalistisches Handeln auf dem Trikont (Südamerika, Afrika, Asien), die zumeist den Ursprung der Beweggründe für eine Flucht nach Europa darstellen.
Hier angekommen werden Flüchtlinge dann in Heime gesperrt, wo ihnen nur 4,5 Quadratmeter pro Person zustehen. Nicht selten befinden sich diese Massen-Unterkünfte im ländlichen Raum, der die Flüchtlinge im Gegensatz zur Unterbringung in der Stadt zusätzlich isoliert. Jede Fahrt in einen größeren Ort stellt eine weitere Ausgabe dar.
In jüngster Zeit gibt es auch wieder verstärkt rassistisch motivierte Kampagnen gegen bestehende oder geplante Flüchtlingsheime. Dabei wirken teilweise auch organisierte Neonazis mit. Nach Recherchen von „Report Mainz“ hat die NPD in diesem Jahr bis Ende Oktober bundesweit 47 Demonstrationen gegen Flüchtlinge und deren Unterkünfte organisiert oder war maßgeblich daran beteiligt.
Insgesamt gab es in diesem Zeitraum 67 solcher Aktionen gegen Flüchtlinge. Damit ist die NPD für rund 70 Prozent der Veranstaltungen gegen Flüchtlinge verantwortlich.
Sie versucht mit der Hetze gegen Flüchtlinge Anknüpfung zu rassistischen und nationalistischen Teilen der Bevölkerung zu bekommen. Wie die Beispiele in Greiz oder Schneeberg zeigen, teilweise mit Erfolg.
Deswegen fordern wir alle Menschen mit antirassistischer Einstellung auf, hier klar Stellung zu beziehen gegen die rassistische Hetze gegen Flüchtlinge, aber auch gegen die Hetze gegen zugewanderte Osteuropäer_innen.
Flüchtlinge wünschen sich kein Mitleid, sondern unsere Wut und Empörung. Sie wünschen sich keine Stellvertreter-Politik, sondern unsere Solidarität und Unterstützung.
Auch kleine Taten helfen: Ein Leserbrief, ein freundliches Wort oder die entschiedene Intervention bei laut geäußerten Vorurteilen.